Dem BUND stinkt es gewaltig

Dass es bei Gülletransporten sehr häufig zu Unfällen kommt, zeigt eine vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlichte "Chronik der Güllehavarien" für den Zeitraum von Juli 2016 bis Juni 2017. Hauptursache für die Unfallhäufigkeit sei die hohe Zahl von Gülletransporten im Inland sowie von Gülleimporten, sagte die BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz.

Aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge seien im Jahr 2016 insgesamt 2.721 Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen beim Transport sowie in Anlagen zum Lagern, Abfüllen und Umschlagen registriert worden, 121 mehr als im Vorjahr. Dabei traten etwa 7,5 Millionen Liter wassergefährdende Stoffe wie Gülle, Jauche und Silagesickersaft unkontrolliert in die Umwelt aus.

"Je häufiger Gülletransporte werden und je länger die Transportstrecken, desto wahrscheinlicher sind Unfälle mit massiven Umweltschäden", sagte Wenz. Die Tierhaltung in Deutschland produziere etwa 200 Millionen Kubikmeter Gülle pro Jahr, dies entspreche über 11 Millionen Gülletransportern mit Ladungen von jeweils 18.000 Litern. Hinzu kämen Gülleimporte, beispielsweise aus den Niederlanden.

"Gülleunfälle erhöhen die ohnehin schon große Stickstoffbelastung von Böden und Gewässern", so Wenz. Der in der Gülle enthaltene Stickstoff gelange über Flüsse bis in die Nord- und Ostsee. Die Gewässer in Deutschland seien bereits durch nicht-unfallbedingte Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft erheblich geschädigt und unter Druck. Auch die Grundwasservorkommen würden durch die hohen Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft belastet. Dies verursache hohe Mehrkosten für die Wasseraufbereitung.

"Wasser ist eine der wertvollsten Ressourcen, es muss ohne Wenn und Aber geschützt werden. Die Aufbereitung von nitratbelastetem Wasser wird immer aufwändiger und teurer. Auf einen Vier-Personen-Haushalt können durch die hohe Nitratbelastung Wasser-Mehrkosten von bis zu 134 Euro jährlich zukommen", kritisierte Wenz. Besonders hoch sei die Nitratbelastung in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten mit hoher Tierdichte. Daher fordert der BUND eine Bindung der Tierhaltung an die Fläche. "Durch die Massentierhaltung entstehen riesige Güllemengen und massive Umweltschäden. Es ist höchste Zeit für strengere Regeln. Die Düngegesetze wurden zuletzt leider nur halbherzig und unzureichend überarbeitet, dadurch können Umweltschäden durch Nitrat auch künftig nicht verhindert werden", sagte Wenz.

Der BUND fordert daher die Einführung verpflichtender Stoffstrombilanzen ab 2018 für alle landwirtschaftlichen Betriebe, einen sofortigen Düngestopp in Gebieten, in welchen der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser überschritten wird, sowie die bundesweite Überwachung von Gülletransporten.

 

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