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Skandal, Skandal, rufen die einen; alles im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften, entgegnen die anderen. Darf sich Fiat auf der sicheren Seite fühlen, weil seine Autos auf dem Prüfstand die geforderten niedrigen Abgaswerte erreicht haben, oder ist Fiat ein Betrüger, weil Autokäufer hinters Licht geführt und zumindest in dem Glauben gelassen wurden, das Auto erfülle auch während der Fahrt die niedrigen Abgaswerte? Fiat ist einer der jüngsten Fälle, aber kein Einzelfall, in dem unternehmerische Entscheidungen zu öffentlichen Auseinandersetzungen darüber führen, wie moralisch sich ein Unternehmen zu verhalten hat, schreibt Georg Giersberg in der FAZ.

Ist die geplante Übernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Bayer-Konzern wegen der zu erwartenden Synergien ein kaufmännischer Geniestreich oder nicht doch wegen des schlechten Rufs von Monsanto Ausdruck von Skrupellosigkeit und Gier? Dürfen sich die Banken durch Verweis auf branchenübliches Verhalten oder menschliches Versagen vor ihrer Verantwortung für die globale Finanzkrise drücken? Reicht eine staatliche Ausfuhrgenehmigung für den Export von Waffen in den Nahen Osten, oder hat ein Unternehmen hier auch eine eigene moralische Verantwortung?

 

Bei allen Fragen geht es darum, welche Verantwortung handelnde Personen in der Wirtschaft haben über ihre Pflicht hinaus, geltende Gesetze einzuhalten. Rein rechtlich darf Bayer natürlich Monsanto erwerben, rein rechtlich gilt eine Abgasreinigung als zulässig, wenn sie die vorgeschriebenen Tests besteht. Rein rechtlich darf man Panzer exportieren, wenn die Bundesregierung zustimmt. Dennoch macht man es sich zu einfach, wenn man sich nur auf den rechtlichen Standpunkt zurückzieht. Ein Unternehmen lebt nicht nur in einem rechtlichen und (wertfreien) ökonomischen Umfeld, sondern auch in einem sozialen Umfeld. Und das verlangt, dass man sich auch jenen Regeln unterwirft, die man landläufig als Sitte, Gebrauch oder eben als Ethik (griechisch) oder Moral (lateinisch) bezeichnet.

Freiheit kann schnell zur Perversion führen

Der Münchener Betriebswirtschaftler Hans-Ulrich Küpper hat erst vor wenigen Tagen auf der Jahrestagung des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft in München gefordert, dass sich die BWL „als anwendungsorientierte Wissenschaft mit dem Thema Ethik befassen muss“. Sie könne ökonomisches Verhalten nicht auf zweckrationales Verhalten reduzieren, denn „Werte und Moral der Menschen haben Einfluss auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen“. Auch der „Wöhe“, das deutschsprachige Standardwerk der Betriebswirtschaftslehre, konstatiert, dass in den vergangenen Jahren die enge, wirtschaftliche Fachabgrenzung durch die verhaltenswissenschaftlich orientierte BWL eine Erweiterung erfahren hat, deren Befürworter „alle betrieblichen Handlungen unter den Vorbehalt moralischer Rechtfertigung“ stellen“.

Für Otfried Höffe, Leiter der Forschungsstelle Politische Philosophie an der Universität Tübingen, gehört die Beschäftigung mit moralischen Fragen zwingend zu einem freiheitlichen Wirtschaftssystem dazu. Denn zum „Fluch der Freiheit“, so der Titel seines jüngsten Artikels in der „Neuen Züricher Zeitung“, gehört seiner Ansicht nach zum einen, dass sich ein freier Mensch entscheiden muss. Es macht ja kein anderer – oder er wäre nicht frei. Viel schlimmer aber ist für Höffe, dass „Freiheitswesen zum Missbrauch der Freiheit fähig sind, bis hin zur Perversion der Freiheit“. Und er fügt hinzu: „Eine zu Missbrauch und Perversion unfähige Freiheit ist nicht denkbar.“ Daraus folgt: Freiheit muss immer auch begrenzt, überwacht und kontrolliert werden – durch Gesetz und durch Moral.

Wenn das Gesetz – aus gutem Grund – keine allgemeine Begrenzung der Managergehälter vorsieht, muss man sich darauf verlassen, dass Aufsichtsräte und Vorstände verantwortlich darüber entscheiden. Wie schnell Freiheit zur Perversion führen kann, zeigt die aktuelle Diskussion um Boni.

„Man sollte sich nicht dem Diktat der Straße beugen“

Der ehemalige Linde-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Reitzle sprach im Zusammenhang mit der Finanzkrise davon, dass sie „durch deformierte Anreizsysteme“ ausgelöst worden sei. Fondsmanager hätten für unterjährige Wertsteigerungen ihrer Portfolios hohe Boni auch dann bezogen, wenn diese, auf das Jahr gerechnet, an Wert verloren hätten. Hätte man ihnen die auch ohne (auf das Jahr gerechnete) Wertsteigerung vertraglich zugesicherten Boni vorenthalten, wäre man vertragsbrüchig geworden. Auch bei Volkswagen berufen sich die Vorstände auf ihre Ansprüche, für Erfolge vergangener Jahre die vertraglichen Boni ausgezahlt zu bekommen. Vergütungsexperten weisen allerdings darauf hin, dass die Auszahlung von Vorstandsboni immer unter Vorbehalt stehe und der Aufsichtsrat jederzeit das Recht habe, ihre Auszahlung auszusetzen. Das wollte der Aufsichtsrat von VW aber offensichtlich nicht.

Werden hohe Boni auch in für ein Unternehmen schlechten Jahren ausgezahlt, stößt das zunehmend auf öffentliche Kritik. Denn zum einen widerspricht dies jedem landläufigen Zusammenhang von Leistung und Entlohnung, und zum anderen konnte bis heute die positive Wirkung von Boni auf Leistungen nicht belegt werden. Im Gegenteil führen Boni häufig dazu, dass nichtbonifizierte Ziele vernachlässigt werden, auch wenn sie für das Unternehmen wichtig sind.

Die Diskussion um Boni zeigt auch, wie sich Moral oder das, was die Gesellschaft dafür hält, im Zeitablauf ändert. Vor genau zehn Jahren sagte ein führender Manager der Unternehmensberatung Towers Perrin: „Man sollte sich nicht dem Diktat der Straße beugen. Wenn Vorstandsbezüge als ungerecht empfunden werden, liegt das an falscher Kommunikation oder an einer wenig sinnvollen Gehaltsregelung.“ So würde er das heute nicht mehr formulieren.

Graubereich zwischen gesetzlich geregelt und gesellschaftlich akzeptiert

Aber auch in anderen Fällen zeigt sich, dass moralische Maßstäbe zeitbedingt sind. Bis in die ersten Jahre dieses Jahrtausends wurden Bestechungsgelder als „nützliche Aufwendungen“ verbucht und als „Zuwendungen im Geschäftsverkehr“ steuermindernd abgesetzt. Bauunternehmer konnten öffentlich damit protzen, dass sie noch nie einen Auftrag ohne private Zuwendungen an den Auftraggeber bekommen hätten. Heute gilt Korruption als eines der Grundübel schlechthin und wird global geächtet. Korruption korrumpiere jedes Recht und sei daher absolut böse, lautet der unumstrittene Konsens. Aber selbst wenn man diesem Grundsatz zustimmt, bleibt die Frage: Wann hört gesellschaftsübliche und tolerierte Aufmerksamkeit auf, und wann fängt Bestechung an?

Bei vielen betriebswirtschaftlichen Fragen gibt es diesen Graubereich zwischen eindeutig gesetzlich geregelt und gesellschaftlich akzeptiert. Für den Schwaben haben diese Dinge „ein Gschmäckle“, sie sind auf Hochdeutsch „anrüchig“. Das sind meist als dubios empfundene Vorgänge, zum Beispiel Frühphasen von Bestechungstatbeständen (Klimapflege). Für Manager ist oft schwer zu entscheiden, was gerade noch gesellschaftlich akzeptiert wird oder nicht.

Birgitta Wolff, Betriebswirtschaftlerin und Rektorin der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität Frankfurt, misst Entscheidungen an der Frage: „Würde ich wollen, dass diese Tatsache morgen über mich in der Zeitung steht?“ Der ehemalige Nestlé-Chef Helmut Maucher stellte sich die Frage: „Wie muss ich jetzt entscheiden, damit mein Handeln vom Prinzip her auf unbegrenzte Zeit richtig sein kann?“ Der schweizerische protestantische Sozialethiker Arthur Rich empfahl in seiner „Wirtschaftsethik“, sich die Frage zu stellen, ob angebliche Zwänge auf Sachnotwendigkeiten oder auf Strukturen beruhen. Die ersteren müsse man akzeptieren – und auch transparent kommunizieren, die zweiteren müsse man „menschengerecht“ gestalten.

Im Unternehmen das Vier-Augen-Prinzip einführen

Ethisches Verhalten muss offenbar immer wieder hinterfragt werden, weil sich ethische Vorstellungen – oder in Richs Worten das Menschengerechte – im Zeitablauf auch ändern. Das schafft man am besten dadurch, dass man einsame Einzelentscheidungen vermeidet.

Viele Unternehmen treffen auch strukturelle Vorkehrungen, um zumindest das Risiko für moralisches Fehlverhalten zu minimieren. Reitzle empfahl auf einer Diskussion in München dieser Tage ganz pragmatisch, ethisches Verhalten von der Führungsebene vorzuleben, überall im Unternehmen das Vier-Augen-Prinzip einzuführen. Zudem dürften Einstellungen oder Beförderung in keinem Fall von einer einzelnen Person vorgenommen werden; alle Vorgesetzten müssten sich einer 360-Grad-Beurteilung durch Vorgesetzte und durch Untergebene unterziehen; es müsse ein funktionierendes Whistleblower-System im Unternehmen geben, und Mitarbeiter sollten in regelmäßigen Abständen nach Missständen befragt werden. „Sehr viel Sorgfalt gilt es auf die Personalauswahl zu legen, ob die Eingestellten diese Regeln auch aktiv unterstützen“, forderte Reitzle. Diese Maßnahmen schließen unethisches Verhalten nicht aus, aber sie erschweren es. Zumindest sorgen diese Maßnahmen dafür, dass Entscheidungen nie von einer Person allein getroffen werden.

Von den Panama-Papieren war Deutschland nicht sehr betroffen

Dass die deutsche Wirtschaft in Fragen ethischen Verhaltens gar nicht so schlecht abschneidet, wie manch ein Skandal nahe zu legen scheint, zeigen die vor wenigen Wochen bekanntgewordenen sogenannten Panama-Papiere: In Deutschland war die Entrüstung zwar groß, betroffen waren aber in erster Linie Personen aus anderen Ländern. Der sogenannte Corporate-Governance-Kodex, die Compliance-Richtlinien sowie Auditierungen und Zertifizierungen für soziales und umweltfreundliches Verhalten haben ebenso zu moralischerem Verhalten beigetragen wie auch regelmäßige Veröffentlichungen beispielsweise von Transparency International oder anderer Nichtregierungsorganisationen.

Erst in dieser Woche hat das französische Versicherungsuntnehmen Axa gezeigt, wie Unternehmen auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren. Man gab bekannt, sich von seinen Anlagen in Tabakkonzernen zu trennen. „Man muss auf beiden Seiten der Bilanz Verantwortung zeigen“, sagte Christian Thimann, Mitglied des erweiterten Axa-Vorstandes, dieser Zeitung mit Hinweis darauf, dass man einerseits mit diesen Anlagen gutes Geld verdiene, andererseits aber als Krankenversicherer auch eine moralische Verantwortung habe. „Wir sehen bei der Tabakindustrie ein Geschäftsmodell, das zunehmend unter moralischem Druck sowie unter juristischen Risiken steht.“ Nach Thimanns Angaben prüft die Axa auch die Versicherungsbeziehungen mit den Tabakherstellern und werde sie aller Voraussicht nach auslaufen lassen. Vor zwanzig Jahren hätte die Gesellschaft mehrheitlich über dieses Verhalten den Kopf geschüttelt, heute darf das Unternehmen mit einer breiten gesellschaftlichen Zustimmung rechnen. Fiat, Volkswagen, Bayer oder die Deutsche Bank sind von dieser gesellschaftlichen Zustimmung noch weit entfernt.


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Sedus – Pionier ökologischer Unternehmensphilosophie

 

Bereits seit über 50 Jahren ist der sensible Umgang mit Umwelt und Ressourcen bei Sedus fester Bestandteil der Firmenphilosophie – um nicht zu sagen, Sedus ist ein wahrer Pionier der ökologischen Unternehmensphilosophie. „Ökologie und Ökonomie sind keine Gegensätze, sondern unverzichtbarer Teil eines Ganzen“, so das Credo, das Jahrzehnte lang als ungeschriebenes Gesetz gelebt wurde und mittlerweile auch in zwölf Unternehmensgrundsätzen und in einem eigenen Umweltmanagement organisatorisch verankert ist. Besonders augenscheinlich und gewinnend zeigt sich die Philosophie aber bei der Unternehmenskultur, die durch den Magen geht.

Heute, da Nachhaltigkeit in aller Munde ist – ob als Feigenblättchen und Lippenbekenntnis, als selbstzufriedenes, nach außen gekehrtes Greenwashing-Gebaren oder auch als wirklich substantiell in Unternehmensphilosophien verankertes und allen Handlungen zugrunde liegendes Statut –, gibt es immerhin einen breiten gesellschaftlichen Konsens darüber, dass ökologisch orientierte Grundgedanken und deren Umsetzung in Maßnahmen unumgänglich sind. Sich der Verantwortung für die gemeinsame Lebensgrundlage auf unserem Planeten bewusst, kann jede Privatperson, jede Organisation einen hohen Beitrag leisten. Letztendlich kann nur jeder Einzelne die Schritte zu einem nachhaltigen Lebensstil selbst experimentieren und Unternehmen als Gebilde können ein entsprechendes Nachhaltigkeitsmanagement im Rahmen der Unternehmenspolitik verankern: Sedus begann sehr früh in diesen Kategorien zu denken, die in der damaligen Zeit bahnbrechend waren.

Wegweisende Schritte

Sieht man von der Standortwahl bei der Firmengründung 1871 ab, die neben der Ressource Holz am südlichen Rand des Schwarzwaldes in Waldshut am Hochrhein auch günstige Transportbedingungen durch einen Bahnanschluss an das deutsche und Schweizer Bahnnetz und somit eine ideale und nachhaltig gedachte Ausgangslage bot, bezogen sich die Bemühungen daraufhin in erster Linie auf eine umweltgerechte Konzeption und Produktion.

Lange bevor „Ökologisches Produktdesign“ zum Modewort wurde, beschäftigten sich die Entwicklungsingenieure und Designer bei Sedus mit der Frage, wie ein ökologisch hochwertiges Produkt beschaffen sein muss. Die daraus resultierende Philosophie war einleuchtend einfach: durch Qualität und Langlebigkeit. Diese Kerneigenschaften kennzeichnen Sedus Produkte nach wie vor, ergänzt durch einen hohen Anspruch an die Gestaltungsqualität, der seit Mitte der 1990er Jahre konsequent verfolgt und fortwährend mit zahlreichen Designpreisen honoriert wurde. Darüber hinaus sind alle Nachhaltigkeitsaspekte in Bezug auf Einkauf, Produktionsprozesse, Logistik und Recycling wesentliche, selbstverständlich gewordene Rahmenbedingungen, die die tägliche Arbeit bestimmen und durch Auszeichnungen und Zertifikate belegt werden.

Von der Notversorgung zum Bioland-Anbau und ausgezeichneten Restaurant


Auf einer anderen Ebene etablierten Christof und Emma Stoll, die das Unternehmen damals in dritter Generation und mit anthroposophischem Hintergrund führten, bereits in den 1950er Jahren eine Versorgung der Mitarbeiter durch Vollwerternährung. Aus einer einfachen Suppenküche, die während der Kriegszeit eine gehaltvolle und gesunde Ernährung durch Gemüse aus firmeneigenem Anbau garantierte, entwickelte sich im Laufe der Zeit ab 1966 ein immer professioneller werdender Küchenbetrieb bis zur heutigen Großküche mit eigenem Küchenteam und dem Betriebsrestaurant „Oase“. Vom eigenen – etwa sechs Hektar umfassenden – Garten- und Ackergelände, das vom Team des „Eulenhofs“ nach ökologischem Anbau mit Bioland-Qualität bewirtschaftet wird, kommen nach wie vor Gemüse und Salate, die ohne jeglichen Einsatz von künstlichen Düngemitteln und Pestiziden angebaut werden. Rund 200 Hühner liefern die benötigten Eier und gelegentlich eine Suppenbeilage und einige Schweine werden zur nachhaltigen Entsorgung von Gemüseabfällen gehalten.

Beim Einkauf der darüber hinausgehenden, ergänzenden Lebensmittel vorwiegend aus der Region wird streng auf Qualität geachtet. Fleisch und Fisch dienen quantitativ eher als Ergänzung denn als Hauptbestandteil eines Mahls. Zur Erhaltung der Nährstoffe bietet der Speiseplan vorwiegend Gerichte, die einen geringen Verarbeitungsgrad erfordern und schonende Zubereitungs- und Garmethoden zulassen. Pro Tag bereiten Chefkoch Ulrich Rotzinger und sein Team in der modernen Betriebsküche heute etwa 200 Mittagessen zu. Auch Geschäftskunden und Besucher des Unternehmens werden in der „Oase“ bewirtet. Rund die Hälfte der Essensgäste entscheidet sich für die vegetarische, ovo-lacto-vegetabile Variante. Darunter versteht man eine fleischlose Kost, die Milchprodukte und Eier beinhaltet, und im Speiseplan schlägt sich hier eine fast uneingeschränkte Variantenvielfalt und Virtuosität nieder.

Mens sana in corpore sano


Das Engagement des Ehepaars Stoll als Unternehmer auf dem Gebiet der Ernährung war jedoch nicht ganz uneigennützig und das ist auch legitim. Wirkt sich doch die Auswahl der Nahrung direkt auf den Aufbau und die Erhaltung des Organismus aus. Bereits der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804–1872) sagte: „Der Mensch ist, was er isst!“ So geht es bei einer erstklassigen Ernährung natürlich um die Verbesserung der Lebensqualität und damit um die Optimierung der Rahmenbedingung am Arbeitsplatz‚ aber auch um die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit. Das betriebliche Angebot dient der Bewusstseinsförderung für Gesundheit und Umwelt, gibt Impulse für Veränderungen von Lebens- und Essgewohnheiten und somit eine Chance auf gesunde, leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter.

Hier schließt sich auch wieder der Kreis zum anfänglich erwähnten Credo, dass Ökologie und Ökonomie Teil eines Ganzen sind: Mitarbeiter sind das beste, aber auch erwiesenermaßen das teuerste Kapital eines Unternehmens – fallen sie doch in Mitteleuropa im Bereich der Büroangestellten auf der Kostenseite mit einem Anteil von rund 80 Prozent der Gesamtkosten ins Gewicht.

Gemeinsam essen macht Laune

Gesundes Nahrungsangebot sollte daher obligatorischer Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und einer Corporate Social Responsibility (CSR)-Strategie sein. Zum einen leisten Unternehmen hier einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter und zum ausgewogenen Gelingen des Arbeitsalltags, zum anderen werden sie dadurch aber auch als Arbeitgeber attraktiver. Nicht zuletzt regt ein gutes gemeinsames Essen in einer angenehmen Atmosphäre das Miteinander, die informelle Kommunikation an. 
Ein attraktives Betriebsrestaurant ist ein Ort, an dem sich Mitarbeiter gerne aufhalten und Bestandteil eines gelungenen Place 2.5!

 

Die Stoll VITA Stiftung

Im Jahre 1985 gründeten Christof und Emma Stoll mangels eigener Nachkommen die Stoll VITA Stiftung zur Fortführung ihres Lebenswerkes und zur Aufrechterhaltung ihrer Ideale. 

Zu den Stiftungszwecken zählen die Förderung wissenschaftlicher Forschungsarbeiten im Bereich der öffentlichen Gesundheitspflege und der Bildung, insbesondere auf den Gebieten des Umwelt- und Naturschutzes, der Landschaftspflege sowie der Tier- und Pflanzenzucht. 

Das Stiftungsvermögen besteht zu einem erheblichen Anteil aus der Aktienbeteiligung an der Sedus Stoll AG. Das ehemalige Betriebsgelände in Waldshut wurde in einen öffentlich zugänglichen Schaugarten mit Spielplatz umgewandelt. Die Bestandsbauten beherbergen unter anderem ein Museum mit angegliederten Ausstellungsräumen, Vortragsräume und eine Schulküche für die Durchführung von Kochkursen, insbesondere für Schüler, in einem der Gebäude und in einem zusätzlichen Neubau ist ein Kindergarten entstanden. So profitieren auch die Jüngsten von dem pädagogisch bereichernden Umfeld und können ihre Neugierde für Pflanzenanbau und gesundes Essen entwickeln.

 

Meilensteine des Ökomanagements der Sedus Stoll AG

Christof Stoll wurde 1993 vom „WWF“ (World Wide Fund For Nature) und von der Zeitschrift „Capital“ zum Ökomanager des Jahres gewählt. In den Jahren 1988, 1989, 1992, 1994, 1996 und 1999 erhielt das Unternehmen eine Auszeichnung für umweltbewusste Unternehmensführung vom Arbeitskreis selbstständiger Unternehmer (ASU). 1995 ließ sich Sedus als erster Büromöbelhersteller sein Umweltmanagementsystem nach der damals gültigen EG-Öko-Auditverordnung (heute EMAS III) validieren. Die Zertifizierung nach der internationalen Umweltnorm DIN EN ISO 14001 erfolgte im Jahr 2001. Durch die Einführung des Umweltmanagements wurde die schon lange gelebte Philosophie der Sedus Stoll AG dokumentiert. 2012 soll die Zertifizierung nach der neuen Norm ISO 50001:2011 (Energiemanagement) umgesetzt werden.

www.sedus.com


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Noch vier Wochen, dann dürfen die Schweizer über eine Wirtschafts- und Sozialreform von biblischem Ausmaß abstimmen. Der Sündenfall hat eigentlich das Schicksal des Menschen besiegelt: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, so hat es der liebe Gott Adam nach der Ausweisung aus dem Garten Eden beschieden. Anders gesagt: Ohne Fleiß kein Preis, there is no free lunch, umsonst ist nur der Tod. So lautet die eherne Regel, die unser Alltagsverständnis von der Wirtschaft prägt, schreibt Sebastian Balzter in der F.A.S.

Jetzt aber können die Schweizer mit einer Volksabstimmung dieses Grundgesetz aushebeln. Sie können am 5. Juni beschließen, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Umgerechnet 2300 Euro im Monat für jeden, voraussetzungslos. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Das hat es seit der Vertreibung aus dem Paradies auch noch nie gegeben, außer im Schlaraffenland.

Im echten Leben ist das Einkommen dagegen stets an eine Gegenleistung gekoppelt. Die Lohntüte und das Gehalt gibt es nach getaner Arbeit. Für Rente und Arbeitslosengeld zahlen wir in eine Versicherung ein. Selbst die Grundsicherung, rund 400 Euro im Monat, eine Art Grundeinkommen vom Sozialstaat, gibt es nur unter Vorbehalt: Wer sie bekommen will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Und prinzipiell bereit sein, eine Arbeit aufzunehmen.

All das, sagen die Vorkämpfer der Schweizer Volksabstimmung, macht der allgemeine materielle Überfluss unnötig. Der Wohlstand ist so groß, dass jeder daran teilhaben soll, ganz gleich, ob er sich dafür anstrengt oder nicht. Jeder soll ohne ökonomischen Druck entscheiden können, wofür er seine Zeit einsetzt: für das Geldscheffeln in der Investmentbank, für Übungsstunden mit der Freiwilligen Feuerwehr oder für eine ausgedehnte Mittagspause samt anschließendem Spaziergang in der Sonne.

Die Modelle unterscheiden sich enorm

Die Idee ist radikal. Und sie hat viele Freunde. In der Schweiz, aber auch sonst überall auf der Welt - und zwar nicht nur unter den Armen und ihren üblichen Wohltätern. Sie findet vielmehr Fürsprecher aus entgegengesetzten politischen Lagern: vom Erzlinken, der sich vom Grundeinkommen ein würdiges Leben für Langzeitarbeitslose verspricht, über den eingefleischten Liberalen, der damit die persönliche Freiheit des Einzelnen über den Gouvernantenstaat obsiegen sieht, bis zum Wertkonservativen, der auf eine Rückkehr zum klassischen Familienbild hofft, wenn Väter und Mütter sich nicht mehr zur Erwerbsarbeit gedrängt fühlen.

Das Grundeinkommen ist zu einem Werkzeug geworden, mit dem jeder von ihnen sein eigenes Ziel erreichen zu können glaubt. Die Konsequenz: Gestandene Unternehmer aus Deutschland halten den Gedanken inzwischen für genauso genial wie nassforsche Internetmilliardäre aus dem Silicon Valley und nüchterne Sozialreformer aus dem europäischen Ausland.

Im Detail unterscheiden sich ihre Vorstellungen allerdings häufig, den jeweiligen Motiven entsprechend. Das fängt mit der Höhe des Grundeinkommens an: Sind 600 Euro im Monat genug, wie Dieter Althaus glaubt, der frühere christdemokratische Ministerpräsident von Thüringen? Oder müssen es schon glatte 1000 Euro sein, wie es Götz Werner fordert, der Gründer der Drogeriemarktkette dm? Und soll der Betrag zum Monatsersten auf jedermanns Konto überwiesen werden? Oder rückwirkend als Gutschrift mit der Einkommensteuer verrechnet werden? Ersetzt das Grundeinkommen alle anderen Sozialleistungen? Und schließlich: Woher soll das Geld dafür eigentlich kommen?

Der Vorschlag aus der Schweiz überlässt all das späteren Entscheidungen im Parlament. „Das Grundeinkommen soll der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen“, heißt es in der Vorlage für die Volksabstimmung lediglich. Nicht einmal die Gralshüter der Idee, vereint in einem internationalen Netzwerk von Aktionsgruppen, sind sich über die Einzelheiten einig. Nur drei Prinzipien haben sie formuliert: Um als bedingungsloses Grundeinkommen durchzugehen, muss das Geld individuell ausgezahlt werden, nicht etwa an Familien oder Haushalte. Es muss unabhängig von anderen Einkünften gezahlt werden. Und es darf ausdrücklich nicht an die Bereitschaft zur Aufnahme einer Erwerbsarbeit geknüpft werden.

Der Vater des Grundeinkommens

Wie kommt man bloß auf so etwas? Als ältesten Gewährsmann nennen die Freunde des Grundeinkommens üblicherweise den britischen Philosophen Thomas Morus, der vor genau 500 Jahren sein bekanntestes Buch „Utopia“ veröffentlicht hat. „Alles, was sie brauchen, verlangen sie von der Stadt und erhalten es auch ohne Gegenleistung von den Behörden“, so lautet die einschlägige Passage über die Bewohner des Idealstaates.

Dafür unterliegen sie aber auch einer strengen Arbeitspflicht - eine Kleinigkeit, die Thomas Morus als Urvater des bedingungslosen Grundeinkommens disqualifiziert. Rechtmäßig darf diesen Titel stattdessen der Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewanderte Intellektuelle Thomas Paine für sich beanspruchen. Weil die Erde allen Menschen gleichermaßen gehört, argumentiert er, soll auch jeder von ihrem Ertrag profitieren. Ein Nationalfonds, den die Bodenbesitzer mit ihren Steuern zu speisen hätten, sollte dafür jedem zur Volljährigkeit und zum 50. Geburtstag jeweils den gleichen Einmalbetrag als Startkapital fürs Leben beziehungsweise als Grundrente auszahlen, „um allen gehässigen Unterscheidungen auszuweichen“.

Die Idee hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Sie wirkt mehr als 200 Jahre später so modern wie nie zuvor - und findet heute sogar noch mehr Zustimmung als nach der Hartz-IV-Reform, als sie in Deutschland zuletzt breit diskutiert wurde und es mit einer Petition bis in den Bundestag brachte. Das hat mit der Veränderung unserer Arbeitswelt zu tun. Als die Comiczeichner den Igel Mecki zu Brezeln und Blutwurst ins Schlaraffenland schickten, in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts, mag die irdische Vorstellung vom gesellschaftlichen Glück noch die Vollbeschäftigung gewesen sein. Heute steht dahinter jedoch ein großes Fragezeichen. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar war das eines der bestimmenden Themen: Wenn die Roboter uns die Arbeit wegnehmen, die Automatisierung zu wachsendem Wohlstand bei gleichzeitig um sich greifender Beschäftigungslosigkeit führt, ist dann das Grundeinkommen nicht geradezu die logische Konsequenz?

Gearbeitet wird dann trotzdem - oder?

Die Verheißung ist so groß, dass die Frage nach den Kosten der Angelegenheit kleinlich wirkt. Zumal sich erklärte Anhänger und ausgesprochene Skeptiker des Konzepts dabei mit derselben Sturheit gegenüberstehen. „Nicht finanzierbar“, lautet das Fazit von zwei Ökonomen der Universität St. Gallen, die den Schweizer Vorschlag unter die Lupe genommen haben, die Mehrwertsteuer müsste dafür auf 57 Prozent steigen. „Die Finanzierbarkeit ist gegeben“, hält Felix Coeln von der Kölner Initiative Grundeinkommen dagegen, eine der rührigsten ihrer Art in Deutschland. Seine Rechnung ist einfach: 1000 Euro für jeden, das macht rund 80 Milliarden Euro im Monat und 960 Milliarden im Jahr. Aktuelles Sozialbudget: 850 Milliarden Euro. Die Differenz? Peanuts, solange die Wirtschaft brummt.

Genau das aber ist die große Unbekannte. Und dabei geht es nicht um Euro und Cent, sondern um die Natur des Menschen. Wer wird noch arbeiten, wenn das Geld auch so einigermaßen reicht? Gemeint sind nicht nur notorische Faulenzer. Nimmt man der Einfachheit halber 1000 Euro je Erwachsenem und 500 je Kind an, hat eine vierköpfige Familie in Bedingungslosistan jeden Monat 3000 Euro netto auf dem Konto. Und keinen Stress im Büro, keinen Ärger mit dem Chef, keine Sorge um den Ganztagsplatz im Kindergarten mehr, sofern sich Vater und Mutter dafür entscheiden, zu Hause zu bleiben.

Das werden sie nicht tun, sagen die Verfechter des Grundeinkommens, im Gegenteil: Sie werden endlich das machen, was sie am besten können, ihre Berufung finden, sich weiterbilden, glücklicher und produktiver werden. „Ich würde genauso viele Stunden arbeiten wie jetzt. Aber vielleicht würde ich manche Jobs annehmen, die nicht so gut bezahlt sind“, verspricht der IT-Unternehmer Dirk Schumacher, der genauso wie der Hartz-IV-Empfänger Felix Coeln der Kölner Basisgruppe angehört. Wer das Grundeinkommen ablehne, fürchte in Wahrheit nicht die Apathie einer Rentnerrepublik oder den Niedergang der Volkswirtschaft, sondern die Unberechenbarkeit von Menschen, die nicht mehr jeden Tag zur Arbeit gehen. „Das entscheidende Hindernis“, sagt Schumacher, „ist die Furcht vor dem Kontrollverlust.“

Weniger Kontrolle für das Sozialsystem

Wer hat recht? Die Empirie gibt nicht viel her, um das herauszufinden. Es gab zwar schon Experimente mit dem Grundeinkommen. Aber sie liegen entweder weit zurück wie eine Serie von Versuchen in den siebziger Jahren in Kanada und den Vereinigten Staaten, wo die Empfänger ihre Arbeitszeit im Durchschnitt leicht verkürzten, im Gegenzug aber auch die Krankheitsrate sank. Oder sie wurden gerade nicht in Industrienationen, sondern in Entwicklungsländern durchgeführt: Die Dorfbewohner von Otjivero in Namibia zum Beispiel bekamen 2008 und 2009 umgerechnet 10 Euro im Monat; ein ähnliches Projekt gab es später in acht verschiedenen indischen Dörfern. Die Empfänger gaben das Geld aus, um Häuser und Toiletten zu verbessern, bessere Lebensmittel zu kaufen und sich als Kleinunternehmer zu versuchen. Wie erfolgreich sie damit waren, zeigen die Daten jedoch nicht: In Otjivero machte der Zuzug aus Nachbardörfern langfristige Vergleiche rasch unmöglich.

Zwei andere Experimente haben noch gar nicht begonnen. Die Stadtverwaltung von Utrecht in den Niederlanden wartet noch auf die Genehmigung des zuständigen Ministeriums. Und die finnische Regierung wird frühestens im Sommer entscheiden, wie und wo sie das Grundeinkommen in den nächsten beiden Jahren testen wird. Weder den Finnen noch den Holländern geht es dabei aber um die reine Grundeinkommenslehre. Sie wollen nur herausfinden, ob das Sozialsystem mit weniger Kontrolle vielleicht besser als bisher funktioniert. Und ob Arbeitslose schneller ins Erwerbsleben zurückkommen, wenn ihnen Zuverdienste nicht von der Sozialhilfe abgezogen werden. 550 Euro im Monat könnten in Finnland drin sein, rund 900 in Utrecht.

So wird sich nicht klären lassen, ob uns Geld für gar nichts zu Faulpelzen macht. Nur die Schweiz könnte tatsächlich zum Labor für den Rest der industrialisierten Welt werden. Ein bisschen schade ist es schon, dass die meisten Eidgenossen darauf offenbar keine Lust haben: Nur jeder Vierte will den aktuellen Umfragen zufolge dafür stimmen.

 


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Da liegen sie, die Vielgepriesenen. Die Tür an der Hauptstraße 37 ist erst einen Spalt breit offen, die gelben, roten, grünen, braunen Pralinen stechen jedoch sofort ins Auge. Äußerst akkurat aufgereiht liegen sie nebeneinander unter der Glasvitrine. So schön der erste Eindruck, so schnell wechselt der Blick. Er wandert ein wenig höher ins schwarze Holzregal. Zwölf Trüffel-Pyramiden sind dort auf identische Weise drapiert, verteilt auf zwei Ebenen. Alles kleine Kunstwerke. Aber keine Zeit zum Verweilen. Da die in Cellophan verpackten Schokotafeln, dort die Tüten mit Trinkschokolade. Und dazwischen Kevin Kugel, der Besitzer.

Nach der kurzen Tour des Sehorgans durch den Laden steht bereits fest: Geschmack und Akribie sind zwei seiner wesentlichen Eigenschaften. Und beim Gespräch kommen gleich noch weitere hinzu, Freundlichkeit und Leidenschaft. Letztere gilt im Besonderen der Schokolade und im Allgemeinen der Qualität. „Schokoprodukte mit einer Haltbarkeit von über einem Jahr, da kann was nicht stimmen“, sagt er mit allem Nachdruck in der Stimme. Zucker, Alkohol, Konservierungsstoffe - und davon jeweils viel – machen es möglich. Dabei seien acht Wochen bis zu einem halben Jahr eigentlich die maximale Lagerzeit, wenn sie denn wirklich frisch sind, die aus dem Samen des Kakaobaumes erzeugten Produkte. Und Kevin Kugel weiß wovon er spricht. Er ist Deutscher Meister der Chocolatiers - sozusagen die oberste Instanz im Lande in Sachen Schokolade. Frische, unverfälschter Geschmack, dafür wirbt er. Das gilt für die verwendeten Bohnen ebenso wie für die Zutaten. Nichts künstliches, alles Natur. Gewürze von ausgewählten Händlern. Kräuter, selbst angebaut. Zwetschgenschnaps, selbst gebrannt. Das hat seinen Preis. 28 Euro kostet ihn die Pistazien-Dose. Pistazien-Aromen wären schon für fünf Euro zu haben. „Qualität steht über allem.“ 

Deshalb fertigt er seine Schokoladenkreationen komplett selbst. Mit einer Ausnahme. Den Hohlkörpern für die Trüffel. Zu aufwändig in der Herstellung, kommen die vom wohl besten Anbieter direkt aus der Schweiz. Die Entstehung einer Praline, die lässt sich bei einem Heißgetränk in aller Ruhe beobachten, denn die Produktion findet im Laden statt. Eine Halbetage höher legen Kevin Kugel und seine drei Mitarbeiterinnen Hand an, rühren die Schokomasse, gießen die Formen, mischen die Füllungen. Und dann kommt sie zum Einsatz, die Air-Brush-Maschine. Mit der werden die Pralinen quasi sandgestrahlt. Sie sorgt für das unverwechselbare Äußere. Übrigens Marke Eigenbau. Die gängigen Marktprodukte genügten nicht seinen Anforderungen. „Ich brauchte eine beheizbare Air-Brush-Pistole, die die Temperatur konstant hält“, erinnert er sich. Also entwickelte er zusammen mit einem Freund ein eigenes Modell. Ein echter Tüftler also.

Das bestätigt sich beim Gang in das Lager. Das würde jedem Baumarkt zur Ehre gereichen. Behälter mit Werkzeug, Plastikrohre in allen möglichen Durchmessern. Dabei ist Kevin Kugel kein passionierter Heimwerker, vielmehr sind das die Utensilien für Unikate. Der Fußball-WM-Pokal im Herbst, der 20-Kilo-Schneemann im Winter. Oder der Porsche GT3 für den Männergeburtstag oder für Schrauben und Muttern für das Autohaus, jeweils komplett aus Schokolade und so detailgetrau, dass sich beispielsweise die Schrauben wirklich in die Muttern drehen ließen. Dazu wird zuerst gebastelt, probiert, ein Modell aus Silikon gebaut.

Solche „Maßanfertigungen“ für Unternehmen, Sternegastronomie und Hotellerie stehen ganz oben im Businessplan von Kevin Kugel – eigentlich. Weiter unten findet da das Ladengeschäft Erwähnung. „Das war nur dazu gedacht zur Herstellung der Produkte und um diese zu präsentieren“, berichtet Kevin Kugel. Aber ein gutes Jahr nach der Eröffnung sieht die Realität anders aus. 80 Prozent des Umsatzes kommt über den Ladenverkauf. „Viel mehr als ich mir jemals vorgestellt habe.“ Zumal der Laden nicht in London, Paris, Zürich oder zumindest Stuttgart steht, sondern in der 5000-Einwohner-Gemeinde Nufringen. Da stammt Kevin Kugel her, dahin kehrte er wieder zurück nach diversen Stationen in der ganzen Republik. „Die Mietkosten waren schlichtweg deutlich günstiger als in einer Großstadt.“  

Koch, Konditormeister, Chocolatier, Betriebswirt – ein Lehrbeispiel für die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung. Dabei hatte der Jungunternehmer bereits früh ein Ziel vor Augen, die Selbstständigkeit. „In der Familie haben fast alle ihr eigenes Geschäft.“ Wobei die eher dem traditionellen Handwerk angehören. So besitzen seine Eltern einen Fließenlegerbetrieb im Ort.

Aber zurück zu Theorie und Praxis eines Businessplans. Der Erfolg des einen Standbeins ließ die Verfolgung des anderen in den Hintergrund treten. „Eigentlich wollte ich schon längst die Firmen in der Region anschreiben.“ Dazu fehlte bisher schlichtweg die Zeit. Aber mit zusätzlichem Personal geht er bald auch dieses Geschäftsfeld an. Wobei eines weder in der Theorie noch in der Praxis in seinem Businessplan vorkommt, der Aufbau eines Filialnetzes. Die kurze Haltbarkeit steht einer bundesweiten Auslieferung im Weg „Das lässt sich mit meinem Qualitätsanspruch nicht vereinbaren.“ Einzig in der benachbarten Landeshauptstadt könnte er sich ein zweites Ladengeschäft vorstellen. Viel mehr schwebt ihm vor, Kunden wie Kollegen nach Nufringen zu holen. Der Anfang hierfür ist gemacht mit Workshops an den Wochenenden. Auch da überrollte ihn die Entwicklung. Zuerst nur an den Samstagen geplant, sind inzwischen zusätzlich bereits fast alle Sonntage ausgebucht. Mittelfristig denkt er an eine Chocolatierschule für Profis wie Laien. Bis dahin dauert es noch. Zuerst steht einmal Ostern ins Haus. Auch da hat sich Kevin Kugel einiges einfallen lassen. So grüßt beim Betreten des Landes nun allerlei auf einer Leiter sitzendes buntes Federvieh den Besucher.   

www.kevinkugel.de          

 

 

 

 

 

 

 


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