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Von vielen Menschen werden Schweine auch heute noch völlig unterschätzt: Ganz im Gegensatz zur landläufigen Meinung, handelt es sich bei Schweinen nämlich keineswegs um ausgesprochen dumme, sondern um ausgesprochen intelligente Tiere. Schweine rangieren nach Ansicht von Experten in Sachen Intelligenz immerhin an vierter Stelle im Tierreich. Gleich nach Menschenaffen, Delfinen und Rabenvögeln. Aber noch weit vor Hunden, Katzen, Pferden oder anderen Haustieren. Der Mythos von der „dummen Sau“ ist also längst passe. Aber was macht die schweinische Intelligenz aus? Was können Schweine, was andere Tiere nicht können? Eine ganze Menge!  So gehören Schweine beispielsweise zu den ganz wenigen Tieren, die den sogenannten Spiegeltest bestehen. Also in der Lage sind, sich selbst in einem Spiegel erkennen zu können. Hält man nämlich einem Schwein einen Spiegel vor den Rüssel erkennt das kluge Borstentier relativ rasch, dass seine eigenen Bewegungen mit denen des Tieres im Spiegel durchaus in einem engen Zusammenhang stehen. Und bei dem derart getesteten Schwein fällt dann letztendlich auch der Groschen, dass es es hier keineswegs mit einem vermeintlichen Artgenossen zu tun hat, sondern eben mit sich selbst.

Aber Schweine können sich nicht nur optisch, sondern auch akustisch wiedererkennen: Man kann nämlich Schweinen auch beibringen, auf ihre Namen zu hören. Dazu eignen sich nach Aussagen von Wissenschaftlern interessanterweise vor allem dreisilbige Namen, wie etwa "Hil-de-gard" oder "Brun-hil-de".

Einfache Geräte bedienen können die Borstentiere auch: Schweine können in der Tat sogar simple Computerspiele erlernen. Zumindest sind sie dazu in der Lage, mit einem Joystick im Maul, einen Kreis solange auf einem Monitor zu bewegen, bis dieser sich exakt mit einem vom Versuchsleiter vorgegebenen blauen Fleck deckt.

Und natürlich lernen Schweine, dank ihrer überragenden Intelligenz, in Dressurnummern in Zirkussen die Tricks schneller, als die viele andere Zirkustiere. So wurde im Schweizer Nationalzirkus Knie vor einigen Jahren eine komplizierte Schweinedressurnummer innerhalb von gerade mal 8 Monaten eingeübt. Nach Aussagen der Trainer hätte die gleiche Ausbildung mit Pferden mehrere Jahre gedauert. Und auch die Tiertrainerin, die beim absoluten Lieblingsfilm vieler Kinder  „Schweinchen Babe“, für das Training der Schweine verantwortlich war, war von der Lernfähigkeit ihrer vierbeinigen Schüler begeistert: „Einem Schwein bringe ich in 20 Minuten etwas bei, wofür ich bei einem Hund eine Woche brauche“. Die Wissenschaft geht sogar davon aus, dass Schweine erheblich mehr Kommandos erlernen können, als Bello und Co.

Aber diese überragende Intelligenz der Schweine macht sich nicht nur in Labor und Zirkus, sondern auch in der praxisnahen Realität bemerkbar. Dies beweist eine überaus interessante Studie der University of Illinois, zum sogenannten Wohlfühlverhalten von Schweinen. In dieser Studie konnten amerikanische Wissenschaftler nachweisen, dass Schweine durch Versuch und Irrtum lernen können, wie man in einem kalten Stall die Heizung einschaltet und vor allem, wenn es zu warm ist, diese  auch wieder ausschaltet. Die Borstentiere verstehen also genau den Zusammenhang zwischen Schalter einerseits  und Temperatur andererseits. Eine Erkenntnis, die sich ein dänischer Landwirt gleich zu Nutze machte: In seinem Stall steuern die Schweine Belüftung und Temperatur mithilfe eines Joysticks selbst.

Übrigens: Auch in Sachen Kommunikation haben Schweine deutlich mehr zu bieten, als viele andere Tierarten. Neuere Forschungsergebnisse zeigen nämlich, dass die Borstentiere offensichtlich deutlich mehr drauf  haben als nur zu  „grunzen“ bzw. zu „quieken“. Nach Ansicht einiger Wissenschaftler haben Schweine nämlich offenbar sogar eine Art Sprache. Eine Sprache die zwar jetzt nicht gerade mit den Kommunikationsfähigkeiten von Schimpansen oder Delfinen gleichzusetzen ist, jedoch offensichtlich ausreicht, damit die Borstentiere ihren Artgenossen Informationen über ihren Gefühlszustand mitteilen können. Wissenschaftler haben bei Schweinen insgesamt mehr als 20 verschiedene Laute identifiziert. Mindestens Hälfte dieser Laute, sind allerdings eher negativ besetzt. Damit drücken die Tiere Gefühle, wie Angst oder Stress aus. Aber es gibt durchaus auch Laute, mit denen Schweine offensichtlich sagen können: „Hey, ich hab Hunger“, „ich freue mich“ oder sogar - wenn es um die Fortpflanzung geht - „Ich bin furchtbar scharf auf dich!"


Dr. Mario Ludwig ist Deutschlands Experte für alles Tierische. Keiner vermittelt die wunderbare und mitunter kuriose Welt der Tiere so fundiert und gleichzeitig so humorvoll wie der promovierte Biologe. www.mario-ludwig.de
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Warum bitte ist denn die Küche voll mit Plastik? Auf dem Boden stehen Flaschen, im Regal stapeln sich Tupperdosen. Dabei will Christoph Schulz doch ein Leben ohne Plastik.

"Die gehören meinem Mitbewohner", sagt er und zeigt auf eine Ecke seiner Berliner Küche. "Das ist meine." Dort stehen Glasflaschen und akkurat geschrubbte Einmachgläser. Ein Jutesack, vollgestopft mit noch mehr Stoffbeuteln, baumelt am selbst gezimmerten Holzregal.

Seit 3 Jahren lebt Christoph Schulz fast völlig plastikfrei. Dass seine Mitbewohner da nicht mitmachen, akzeptiert er: "Ich möchte sie nicht bekehren oder ihnen ein schlechtes Gewissen machen."

Übere Amazon verkauft er Zahnbürsten aus Holz, Seifen ohne Plastikzusätze und Trinkflaschen aus Aluminium. Was der damit verdient, investiert er auch in Flugtickets an die Dreck-Hotspots dieser Welt: Er reist an die Traumziele der Backpacker-Szene, nach Sri Lanka oder Bali - um aufzuräumen!

Vor Ort fragt Christoph Einheimische und Touristen, an welchen Stränden am meisten Müll liegt, steckt die Orte auf der Karte ab und organisiert leere Müll- oder Reissäcke. Helfer findet er über Facebook oder lokale Surfschulen und Bars. Meistens braucht es nicht viel, um die Leute zu überzeugen. Er erzählt ihnen einfach eine wahre  Geschichte: Fische fressen das Plastik, das wir ins Meer werfen und wir fressen die Fische mit dem Plastik darin.

Locals wundern sich zwar oft erst einmal, wenn ein europäisch aussehender Typ mit Müllsäcken morgens im Sand nach wertlosem Müll stochert. Wenn er erklärt, warum er das macht, freuen sich aber die meisten und packen hin und wieder sogar selbst mit an.

Auf Gili Trawangan, einem Inselparadies zwischen Bali und Lombok, sammelte Christoph mit 25 anderen an einem Nachmittag mehr als 70 kg Müll. Später luden die Betreiber der Strandbars die Helfer auf ein paar Bier ein. Sie saßen bis spät in die Nacht zusammen, Einheimische wie Touristen, und erfreuten sich an ihrem Erfolg. Manchmal entstehen sogar Freundschaften. Beim Aufräumen auf Sri  Lanka hat er Janine aus Kanada kennengelernt. Erst vor Kurzem haben sie sich auf Nusa Lembongan wieder getroffen und ein Clean-Up organisiert.

Natürlich weiß Christoph, dass er mit ein paar Aktionen das Müllproblem nicht lösen wird. Immer wenn er weiterfährt, denkt er "hier bin ich noch lange nicht fertig." Umso schöner war es für ihn, als kürzlich eine sri-lankanische Surfschule in seine "Nature&Beach Clean Up" Gruppe auf Facebook postete, dass sie nun ihre eigenen Aufräumaktionen organisiere. "Das ist schon ein geiles Gefühl", sagt Christoph, "wenn ich sehe, dass die Leute ohne mich weitermachen. Das zeigt mir dass ich dieses eine Mal etwas bewirkt habe." Immer mehr Mitstreiter folgen ihm digital, sein Blog hat inzwischen übere 300 Klicks am Tag.

Neben vielen Unterstützern hat er auch einige Kritiker. Er sei heuchlerisch, werfen sie ihm vor, weil er für nachhaltiges Leben werbe und gleichzeitig mit seinen Flügen dem Klima schade. Warum er sich in einem Punkt moralisch verhält, in einem anderen aber nicht, begründet Christoph damit, dass er einfach Kontakt zu den Menschen brauche, damit er das Gefühl habe wirklich etwas zu erreichen. Außerdem müsse die Leute ja sehen, dass er wirklich etwas mache.

Auf die Frage, was das Versprechen an seine Unterstützer denn eigentlich sei, weiß er keine konkrete Antwort. Dass irgendwann kein Plastikmüll mehr ins Meer gelangt, klingt unrealistisch. Trotzdem wünscht er sich, dass möglichst viele diesen Traum teilen.

Um das zu erreichen, bloggt Christoph auf der Website Care Elite mit zwei Mitstreiter übere die Gefahr von Müll im Meer und zeigt, wie man z.B plastikfreie Shampoo und Deos mixt. Vor ein paar Wochen sprach er vor der Abschlussklasse einer Berufsschule. Eigentlich ging es um Arbeit als Selbstständiger, doch die Schüler waren mehr an seinen Projekten interessiert. Für die Diskussion ließen sie sogar ihre Pause sausen. In solchen Momenten merkt er, dass er wirklich Menschen für seinen Traum begeistern kann. Deshalb macht er weiter.

Text: Charlotte Friederich
Quelle: NEON


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Der größte Teil des Gebirges Jebel Akhdar im Oman ist Wüste, nur in höheren Regionen fallen jährlich etwa 300 mm Niederschlag, so dass Busch- und Baumbestand möglich ist und Landwirtschaft betrieben werden kann.

 

Daher rührt der Name „Grüner Berg“. Jebel Rock (gesprochen Dschebel) ist die No. 803 der apprico COLOURS. Ein kräftiger Braunton, der natürlich nach der Feng-Shui-Lehre dem Element ERDE zugeordnet ist.

 

Jebel Rock ist ein Braun mit Gelb-Anteilen, dunkel, warm und sanft. Wunderbar harmoniert dieser Ton mit den helleren Erd-Tönen wie Antique Linen oder Danubian Grit.

 

Das Wohnzimmer wird mit diesem Farbton zu einem Ort der Ruhe und Geborgenheit. Die Yin-Qualität dieses Erd-Tons sorgt dafür, dass er auch für die Bett-Rückwand des Schlafzimmer eingesetzt werden kann.

 

 


Heike Schauz gilt als DIE Business Feng Shui Expertin in Deutschland. Die Baden-Badenerin ist Unternehmerin, Autorin und eine der ersten Frauen mit Meistertitel im Maler-Handwerk. Sie schafft Wohlfühlorte nach der von ihr entwickelten apprico®-Methode in Industrie- und Geschäftsgebäuden, Büros, Hotels und Arztpraxen – komplett ohne esoterische Hilfsmittel. Ihr Fachwissen um den bewussten Einsatz von Farben, Formen, Materialien und Licht gibt sie in Vorträgen, Seminaren, ihrer E-Book-Ratgeberreihe und auf ihrem Blog weiter. Mehr Details und zahlreiche Praxisbeispiele unter www.apprico.de.
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Anna und Karina tragen das, was andere aussortiert haben. Auf ihrem Modeblog Found on the Street dokumentieren sie das Ganze.

Auf einem Bild posiert Karina in einer silbernen Satinbluse vor dem Spiegel, auf einem anderen sitzt Anna in einer 1980er-Jahre-Trainingsjacke auf Treppenstufen, eine Nahaufnahme zeigt ein Paar weinrote Samtsneaker. Auf den ersten Blick sieht der Instagramaccount von Karina Papp und Anna Vladi, 29, aus Berlin aus, wie der von vielen anderen Modeblogger*innen. Die beiden posieren gekonnt, das Ganze wirkt durchdacht, die Kleidung sitzt. Doch im Gegensatz zu den großen Influencer*innen, die auf jedem Foto ein bis fünf bekannte Markennamen verlinken, stehen neben den Posts von Anna und Karina nur Sätze wie „Dieser Pullover hat auf Anna irgendwo in Neukölln gewartet“ oder „Diese Jacke haben wir in Athen entdeckt“.

 

Seit vergangenem Herbst ist ihr Account Found on the Street online. Alle Klamotten, die die beiden auf ihren Fotos tragen, haben sie irgendwann auf der Straße gefunden. Anna und Karina kennen sich bereits seit 13 Jahren. Sie haben in ihrem Heimatland Russland zusammen Publizistik in St. Petersburg studiert. Beide wohnen seit über fünf Jahren in Berlin und arbeiten freiberuflich als Journalistinnen und Übersetzerinnen.

Wie kam es dazu, dass sie die Kleidung anziehen, die andere aussortieren? Steckt dahinter ein ganzer Lebensstil und kaufen die beiden wirklich nichts mehr neu?

Wo kommt die Kleidung her, die ihr heute anhabt?
Anna: Witzig, dass du das fragst, ich habe tatsächlich nur Sachen an, die ich auf der Straße gefunden habe, außer meiner Unterhose: ein Oberteil aus Griechenland, eine Hose aus Neukölln und meine blauen Socken habe ich in Kopenhagen auf der Straße gefunden.

Karina: Ich trage eine Bluse, die mir Freund*innen geschenkt haben und eine Jacke, die ich in Athen gefunden habe. Anna und ich waren dort zusammen und haben nicht erwartet, dass wir auf der Straße überhaupt etwas sehen würden. In Berlin ist das ja sehr einfach.

Auf euren Fotos seid ihr auf jeden Fall immer stylisch gekleidet, kaum zu glauben, dass ihr nur Kleidung anzieht, die ihr auf der Straße gefunden habt. Wie kam es dazu, dass ihr das Projekt gestartet habt?

Karina: Ich benutze Instagram schon länger und sehe immer wieder, dass Leute Bilder von sich hochladen und dabei die Marken taggen, von denen ihre Klamotten sind. Ich fand es irgendwie lustig, denn eigentlich ist alles, was ich anhabe, fast nie von einer Marke. Anna und ich sammeln schon länger Klamotten von der Straße. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir beide so tolle Sachen finden und es schön wäre, das mit anderen Leuten zu teilen. Mit dem Account können wir zeigen, dass du nicht jeden Monat zu H&M gehen und ein neues T-Shirt kaufen musst, sondern dass es eigentlich schon alles auf der Straße gibt. Man muss es nur mitnehmen. Im August haben wir angefangen, ein paar Fotos von uns in den Klamotten zu machen und online zu stellen.

Also habt ihr schon vor dem Start des Blogs keine neue Kleidung mehr gekauft?
Anna: Ja, genau. Bei mir kam das mit meinem Umzug nach Deutschland. Als ich 2009 aus Russland hierher gezogen bin, war ich erst mal total fasziniert von H&M und Co. und habe dort eingekauft. Aber dann habe ich gemerkt, dass jede*r dasselbe anhat und mir das nichts gibt. Seitdem habe ich entweder Klamotten an, die ich secondhand kaufe oder auf der Straße finde.

Man würde echt nicht glauben, was die Leute alles aussortieren.“ – Karina

Wie hat sich euer Blick auf die Welt verändert, dadurch dass ihr nach aussortierten Klamotten guckt?
Karina: Ich kann nicht mehr wirklich sagen, dass ich danach suche, die Klamotten springen mich eher an, sie sind einfach da. Erst letztens bin ich sonntags mit meinem Freund von Kreuzberg nach Neukölln gelaufen und am Ende hatten wir schon wieder so viel Zeug zusammen. Jeans, super viele Bücher, alles war zu verschenken, zum Mitnehmen. Man würde echt nicht glauben, was die Leute alles aussortieren. Auch ganz viele Designerklamotten. Wir hatten ein paar Teile, die hätte man locker für mehrere hundert Euro verkaufen können.

Anna: Bei mir ist es ähnlich. Ich suche nie nach Kleidung, ich versuche sehr minimalistisch zu leben. Ich habe echt schon viel. Aber ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad von Neukölln nach Charlottenburg und sehe dabei so viele Boxen. Dann sage ich mir auch, jetzt schaue ich nicht noch mal in diese Box rein und sehe dann aber, dass ein Glitzerkleid rausguckt und bleibe doch stehen. Wenn man einmal anfängt, dann sieht man einfach, wie viel auf der Straße steht.

„Ist das nicht eklig?“ Wie seht ihr das?
Anna: Ich hatte Situationen, wo die Stücke tatsächlich im Regen stehen gelassen wurden, aber da sage ich mir dann, auch das sind Kleidungsstücke, die einfach nur nass geworden sind. Ich packe die Kleidung in Plastiktüten, wasche meine Hände danach, reinige die Klamotten anständig in der Waschmaschine. Und wir reden ja nicht über Unterwäsche.

Karina: Ich finde übrigens auch, dass in Bezug auf dieses Thema wichtig ist, welche Wörter man benutzt. Wenn man sagt, dass man etwas auf der Straße gefunden hat, denken die Menschen, dass es sich um Müll handelt. Deshalb schreiben wir in unseren Posts gern „Given by the streets of Berlin“ oder „Given by the streets of Athen as a present“ oder „es wurde dort stehengelassen, damit man es mitnimmt“. Viele Leute unterscheiden nicht wirklich zwischen Müll und weitergeben, aber wenn man die richtigen Wörter benutzt, dann ist es einfach nur etwas, das jemand weitergereicht hat.

Denkt ihr denn darüber nach, welche Geschichten diese Klamotten erzählen und wo sie schon getragen wurden?
Karina: Ich würde mir wünschen, dass jedes Kleidungsstück mit einem Stück Papier käme, auf dem stünde: Mir ist das und das passiert.

Anna: Ja, aber manchmal kann man das auch so herauslesen. Manchen Boxen erzählen eine traurige Geschichte. Manchmal ist es sehr offensichtlich, dass jemand gestorben ist. Ich habe schon Boxen mit Klamotten aus der DDR gefunden, alle in derselben Größe, alle in demselben Stil. Dann stelle ich mir vor, dass von jemandem die Großmutter gestorben ist. Am Anfang hatte ich dabei ein etwas merkwürdiges Gefühl, die Kleidung zu tragen, denn in der russischen Kultur ist es eigenartig, die Klamotten von jemandem anzuziehen, der gestorben ist. Aber irgendwann habe ich angefangen, mich davon zu lösen und mir vorzustellen, was für verrückte Jahre oder Augenblicke diese Großmutter in dem Pullover erlebt hat.

Wir mögen die Kleidung, die Geschichten erzählt, lieber als neue Stücke.“ – Karina

Was erzählt euch die Tatsache, dass es so viel zum Mitnehmen gibt, über unsere Gesellschaft?
Anna: Es ist ziemlich offensichtlich: Überkonsum. Es wird einfach auch viel zu viel produziert, zu viel ver- und gekauft.

Karina: Das macht mir Angst. Es ist eben nur dieser Gedanke, der die Leute antreibt, etwas komplett Neues zu besitzen, das direkt aus der Fabrik kommt. Wir mögen die Kleidung, die Geschichten erzählt, lieber als neue Stücke. Seien wir ehrlich, die Leute werden das weiterhin machen, wir werden nichts im großen Maßstab ändern. Aber für uns selbst es fühlt sich falsch an, für etwas zu zahlen, das es schon gibt und Teil dieser großen Maschinerie zu sein.

Welche Reaktionen erlebt ihr selbst darauf, wenn ihr Leuten erzählt, woher ihr eure Kleidung habt?
Karina: Ich werde häufiger danach gefragt, woher ich mein Outfit habe. Dann sage ich, dass ich es auf der Straße gefunden habe und viele sind dann erst mal schockiert. Viele Berliner*innen akzeptieren das relativ schnell, aber für Leute aus Russland zum Beispiel ist es ein totaler Schock. Aber dann erklärt man, dass ganz viel zum Mitnehmen auf der Straße steht, das eigentlich noch total gut ist und dann verstehen sie, dass das eine Art ist zu leben.

Anna: Wenn du in Russland etwas von der Straße mitnimmst, dann heißt es, dass du kein Geld hast, dass du arm bist. Aber das ist ja bei uns definitiv nicht der Fall. Für mich war ja der Grund, das zu machen nie, dass ich kein Geld hatte. Ich hatte immer genügend Geld für Klamotten. Aber irgendwann hatte ich eben auch zu viel Zeug und habe angefangen, das zu tauschen, zu verschenken oder auf die Straße stellen und dafür etwas anderes mitzunehmen. Es ging darum, dass ich mein Geld eigentlich nicht für Klamotten ausgeben muss, sondern es eben in etwas anderes investieren kann.

Karina: Ja, mittlerweile finde ich es schon irgendwie lächerlich 100 Euro für ein einziges Paar Hosen auszugeben. Das ist eine bewusste Entscheidung dagegen.

Ich treffe dadurch auch kaum jemanden, der dasselbe anhat wie ich.“ – Anna

Lebt ihr so, weil ihr Geld sparen wollt oder geht’s euch um die Nachhaltigkeit.
Karina: Definitiv um die Nachhaltigkeit. Das, was wir machen, ist Konsum, aber ohne zu konsumieren.

Anna: Und ich muss sagen, dass die Qualität bei den älteren Klamotten deutlich besser ist als von heutigen Klamotten. Kleidung aus den 60ern, egal ob Jeans oder Baumwolle, ist sehr lange haltbar. Als ich das letzte Mal etwas von H&M gekauft habe, hat das so schnell Farbe und Form verloren und Löcher bekommen. Es ist eben so gedacht, dass man es notfalls wegschmeißt und neu kauft.

Gibt es etwas zum Anziehen, das ihr trotzdem noch neu kauft?
Karina: Natürlich gibt es noch Teile, die wir einfach kaufen müssen oder wo wir uns dazu entschließen, sie doch lieber zu kaufen, wie etwa Unterwäsche. Für mich ist es auch relativ schwierig, Schuhe in meiner Größe von 39/40 zu finden.

 Quelle/Text: Milena Zwerenz ze.tt  


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Steinpilze brauchen einen kräftigeren und vor allem runden und geschmeidigen Weißwein. Ein Grauer Burgunder eignet sich gut oder ein Chardonnay. Beide haben nicht so viel Säure, sodass sie schon etwas cremiger wirken und Würze mitbringen. Überhaupt ist Herbst / Winter eine absolute Chardonnayzeit. Schließlich bringt er auch gerne etwas mehr Alkohol mit und ist zu Sahne – und Buttersaucen, sowie zu gebratenen Gerichten fast unschlagbar gut!

Chardonnay gibt es heute zwar in jeder Weinbauregion der Welt (selbst Luxemburg, England oder Indien), aber seine Heimat liegt wohl im Burgund. Lange Zeit ging man davon aus, dass der Chardonnay seine Herkunft im Mâcon hat, schließlich gibt es dort auch ein Städtchen mit dem Namen Chardonnay. Heute ist es ja hochspannend, dass wir bei den Reben den „genetischen Fingerabdruck“ nehmen können! So wurde festgestellt, dass es sich um eine zufällige Kreuzung von Pinot Noir x Gouais Blanc handelt (zu Deutsch: Spätburgunder x Heunisch). Richtig faszinierend finde ich immer noch, dass im Burgund alle weißen Weine von der Chardonnay Rebe gewonnen werden. Ausnahme bestätigen die Regel: am Rand wird jedoch etwas Aligoté angebaut. 
Ich liebe ja die wunderbaren weißen Burgunderweine! Nur die höheren Preise schrecken oftmals ab. Sensationell gut und dabei wirklich noch erschwinglich ist der 2009er Bourgogne Chardonnay Buissonnier, Vignerons de Buxy!

Chardonnay bringt in der Regel in der Farbe ein kräftigeres Gold mit. Sein Duft verführt regelrecht - feinstes Krokant, frische Zitrusaromen, aber auch florale Aromen – sehr verwoben und finessenreich. Mit seiner weicheren Art wirkt er Gaumen füllend – ohne dabei zu mächtig zu sein. Mineralisch im Nachhall – so stelle ich mir Chardonnay vor.

Die Vignerons de Buxy verstehen es wirklich mit viel Geschick modernste Vinifizierungsmethoden mit Tradition zu verbinden. Der Önologe Alain Pierre hat ein feines Händchen, wenn es im Keller um den Ausbau der Weine geht. 


Natalie Lumpp ist Deutschlands führende Weinexpertin und Verfasserin zahlreicher Bücher über den Wein. Unter dem Motto Wein erleben bietet die aus vielen Medien bekannte Sommelière Weinevents, Weinseminare, Weinproben bis hin zu Weinreisen an. www.natalie-lumpp.de
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