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Im Jahr 2014 stellte eine Gemeinde in der Nähe von Amsterdam, den ersten Solarradweg weltweit fertig. Die Resonanz nach zwei Jahren überraschte selbst die Ingenieure

Fahrrad fahren ist gut für die Seele, frische Luft, körperliche Betätigung und das Gefühl sich umweltfreundlich fortzubewegen, tragen zu einer wohltuenden Stimmung bei. Umso besser, wenn die Radwege einen doppelten Zweck erfüllen und zusätzlich auch noch Strom erzeugen.

Die Gemeinde Krommenie, 25 Kilometer von Amsterdam entfernt, stellte im Jahr 2014 mit dem Projekt Solaroad den ersten Solarradweg weltweit fertig und machte so international auf sich aufmerksam. Jetzt, nach über zwei Jahren hat er nach Angaben alle Erwartungen übertroffen und sogar die Ingenieure selbst überrascht. Das sagte zumindest Projektsprecher Sten de Wit dem Portal Newsgreen.
Direkt neben der Fahrbahn aus Glas verläuft eine zweite Fahrspur, die keine Solarzellen enthält. Sie dient für Experimente mit verschiedenen Oberflächenbeschichtungen. Diese Experimente sind auch nötig. 

Auch wenn die Testphase nicht reibungslos lief und sich nach kurzer Zeit ein Teil der Beschichtung löste, weil das Material zu empfindlich auf die Wetterbedingungen reagiert hatte, fanden die Entwickler Wege und Lösungen, um die Probleme zu beheben. Ein halbes Jahr später konnten sich dann die Ergebnisse schon sehen lassen: Trotz der schwächeren Sonne im Winter, hatte der 70 Meter lange Radweg mehr als 3000 kWh produziert, was ausreicht, um eine Person ein ganzes Jahr lang mit Strom zu versorgen. 

Nach dem ersten Jahr addierte sich der Wert sogar auf 9800 kWh und erreichte somit, nach Angaben der Entwickler, den obersten Anschlag der möglich war. Die Spezialisten von Solaroad rechneten auf Basis der Ergebnisse zudem aus, dass rund ein Fünftel der 140 000 Kilometer Radwege in den Niederlanden, sinnvoll zur Erzeugung von Ökostrom genutzt werden könnten.

Straßen bieten theoretisch riesiges Energiepotential
Das Potential von mit Solarzellen ausgestatteten Verkehrsflächen ist gigantisch: So umfasst die Verkehrsfläche in Deutschland etwa 18.000 Quadratkilometer. Vollständig mit Solarzellen bestückt, würden die öffentlichen Plätze, Flughäfen, Parkplätze und die 650.000 Kilometer Straßen gut doppelt so viel Strom liefern, wie Deutschland im ganzen Jahr verbraucht. Klar ist aber auch: Weil die Solarzellen als Straßenbelag nicht optimal zur Sonne ausgerichtet werden können, bleiben sie etwa um ein Drittel unter ihrem Potential.

Wer sich selbst ein Bild von diesem zukunftsweisenden Energieprojekt machen möchte: Die SolaRoad befindet sich in Krommenie, nahe der Landstraße N203, ganz in der Nähe der Texaco-Tankstelle. Für das Navi hier die GPS-Koordinaten: 52 Grad und 49 Minuten nördliche Breite und 4 Grad und 76 Minuten östliche Länge.

TEXT: Barbara Bork FOTOS:  Solaroad 


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"Luther Kaffee" - der neue Bio-Kaffee aus Fairem Handel

Martin Luther veröffentlichte im Oktober 1517seine 95 Thesen. Die Reformation beeinflusste nicht nur dieKirche, sondern auch die gesamte Bildungswelt und setztegesellschaftliche Veränderungen in Gang.

Zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 bringt dieRavensburger dwp eG Fairhandelsgenossenschaft nun den"Luther Kaffee" heraus. Der Fair Trade Kaffee aus biologischem Anbau stammt von Kleinbauernfamilien in Nicaraguaund Äthiopien, die durch den Fairen Handel ein deutlich höheres Einkommen erzielen als imkonventionellen Handel. Neben fairen Produzentenpreisen bietet die dwp eG ihren PartnerInnen langfristige und direkte Handelskontakte, Zuschläge für Bio-Anbau, einen Aufpreis für Sozialprojekte wie z.B. dem Aufbau von Schulen und Vorfinanzierungen von mindestens 50% des Auftragswertes bei Bestellung.

Der "Luther Kaffee" der Marke WeltPartner ist ein Kooperationsprodukt der dwp eGFairhandelsgenossenschaft und der Evangelischen Landeskirche Baden (EKIBA).Pro Kilogramm verkauftem "Luther Kaffee" überweist die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft1 Euro an EKIBA, die wiederum diesen Spendenanteil ohne Abzüge an soziale Projekteweiterleitet, welche von der Evangelischen Landeskirche Baden unterstützt werden, beispielsweise für die medizinische Versorgung der Mayangna-Indianer im UNESCO Biosphärenreservat BOSAWAS sowie dessen Schutz in Nicaragua.

Die Mayangna-Indianer leben seit Jahrhunderten vom Regenwald. Doch Goldsucher und Holzhändler besetzen Teile des Reservates und roden den Urwald. Auch Bauern dringendurch extensive Landnutzung in die Schutzzone ein. Naturkatastrophen bedrohen ebenfallsdie Kultur und die Lebensgrundlage der Mayangnas, die Armut ist groß. Mit den Spenden sollunter anderem eine Apotheke aufgebaut und die medizinische Versorgung der Mayangnasgewährleistet werden. Auch der Schutz des Biosphärenreservates soll mit den Spendensichergestellt werden. Die Evangelische Landeskirche Baden unterstützt dieses Projekt in Nicaragua seit fünf Jahrenmit Projektmitteln.

Als Fairhandelspionier sieht die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft - gegründet 1988 - eine enge Verbindung zwischen Fairem Handel, Nachhaltigkeit, langfristiger Armutsbekämpfungin benachteiligten Ländern und sozialem Engagement. Die Kooperation mit der Evangelischen Kirche Baden und die Idee eines Spendenanteils waren daher naheliegend.

Der "Luther Kaffee" ist eine Bio-Mischung von nicaraguanischen Hochland-Arabica-Bohnen(SHG* = strictly high grown), abgerundet und verfeinert durch Beimischung eines edlen Sidamo-Arabica aus Äthiopien. Durch die schonende Langzeitröstung entfaltet dieser Kaffeesein besonderes Aroma und macht ihn besonders verträglich. Der Kaffee ist geeignet für alle Kaffeevollautomaten und gängigen Zubereitungsarten. Der Fair Trade Kaffee aus biologischem Anbau ist als 250g gemahlen und 500g Bohne ab Ende Juli 2016 bei der dwp eG erhältlich. Der Spendenanteil von 1 Euro pro verkauftem Kilogramm Kaffee fließt zu 100% in soziale Projekte, die von der Evangelischen Landeskirche Baden unterstützt werden.
*SHG ist die Abkürzung für "Strictly High Grown" und gibt einen wichtigen Hinweis auf die Höhenlage des Anbaugebietes des Kaffees. Die Höhe des Kaffeestandortes ist eines der entscheidenden Qualitätsmerkmale. SHG bezeichnet die Höhenlage,in der die besten Kaffeequalitäten erzielt werden.

Bei Presserückfragen: Martin Lang,
Inforeferent: info@dwpeg.de
Bezug:dwp eG Fairhandelsgenossenschaft, Hinzistobler Straße 10, D-88212 Ravensburg,Tel.: 0751-36155-0,
bestellung@dwpeg.de

dwp eG Fairhandelsgenossenschaft dwp wurde 1988 von Weltläden aus der Region Oberschwaben als GmbH gegründet und 2005 in die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft umgewandelt. Dadurch bringen wir alle Beteiligten der Fairhandelskette enger zusammen: ProduzentInnen, Weltläden,MitarbeiterInnen und EndkundInnen sind Mitglieder bei der dwp eGFairhandelsgenossenschaft. Uns verbindet eine partnerschaftliche Handelsbeziehung mit mehr als 60ProduzentInnengruppen und den darin zusammengeschlossenen zehntausenden von ProduzentInnen und Kleinbauernfamilien weltweit. Neben fairen Produzentenpreisen bieten wir unseren PartnerInnen langfristige und direkte Handelskontakte, Zuschläge für Bio-Anbau, einen Aufpreis für Sozialprojekte wie z.B. dem Aufbau von Schulen und Vorfinanzierungen von mindestens 50% des Auftragswertes bei Bestellung. Das Sortiment umfasst etwa 1.500 Produkte -- Lebensmittel der Eigenmarke WeltPartner, Kunsthandwerk und Textilien. Darüber hinaus importiert und verkauft dwp fair gehandelteRohstoffe wie beispielsweise Zucker und Mangopüree. Großen Wert legt dwp auf die Förderung von kleinbäuerlichen Strukturen und den Bio-Anbau. So sind bereits 90% der Lebensmittel bio-zertifiziert.dwp liefert direkt an Weltläden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Bio- und Naturkostläden, regionale Lebensmittel-Einzelhändler, Lebensmittelverarbeiter, Großverbraucher, Firmen, Kommunen und Endkunden über den Onlineshop.
Die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft ist anerkannter Importeur und Lieferant der Weltläden in Deutschland und Österreich und unter anderem Mitglied beim Forum Fairer Handel und bei der WFTO, dem weltweiten Dachverband des Fairen Handels. Eine beispielhafte Kooperation besteht seit den 90er Jahren mit der Bruderhaus Diakonie,einer Werkstatt für psychisch erkrankte Menschen. Die Beschäftigten erledigen direkt amdwp-Firmensitz in Ravensburg wichtige Aufgaben im Bereich Abfüllung, Verpackung und Etikettierung und erhalten vielfältige Chancen für einen Wiedereinstieg in den ersten  Arbeitsmarkt. In Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich bietet dwp seit Jahren regelmäßig mehreren Jugendlichen mit Lernschwächen oder Autismus Ausbildungsplätze an und konnte bisher fast alle zu einem erfolgreichen Abschluss führen. Für unseren langjährigen Partner, dem philippinischen Kinderschutzzentrum Preda, leistet die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft seit vielen Jahren aktive Unterstützung zum Thema Kampagnenarbeit gegen Sextourismus und Kinderprostitution. Als erste Fairhandelsorganisation in Deutschland hat dwp eine Gemeinwohlbilanz über dieeigene Arbeit erstellt.

www.dwpeg.de


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Martin Roscheisen züchtet Edelsteine, die sich in Farbe und Reinheit kaum von natürlichen unterscheiden - und genauso wertvoll sind.

Die Filmkarriere dieser funkelnden Steine ist ziemlich beeindruckend: Sie ließen Audrey Hepburn ständig auf ein New Yorker Schaufenster starren, in Guy Richies "Snatch" wird einer der Steine von eiem Pibull verschluckt, bei James Bond landet ein ganzer Schwung im Krematorium.Alles natürlich folgenlos, schließöich sind Diamanten das härteste Mineral der Weltm und deshalb: unvergänglich! Das hat zwar Mitte des 20. Jahunders die Werbung erfunden, aber die Vorstellung ist zu schön,  um wahr zu sein. Deshalb sin die Klunker ja bekanntlich auch "a girl's best friend".

Nur mit der Umwelt sind sie leider nicht ganz so gut befreundet,. Für dieweit in die Erde reichenden Diamantenminen werden Flüsse verschmutzt und Wälder gerodet; das Ökosystem leidet. Und noch etwas weiß man spätestens seit einem Hollywood-Film. Für Bürgerkriege tragen sie mitunter genauso große Schulde, wie "Blood Diamond" von 2006 mit Leonardo diCaprio zeigte. Am Begerhen hat all das erstaunlicherweise kaum etwas geändert. Das Diamantenfieber ist ungebrochen.

Luxus aus dem Labor
Wenn es nach dem in München geborenen Martin Roscheisen geht, wird in der Branche allerdings schon bald nichts mehr so sein wie früher.Dafür hat er das Unternehmen Diamond Foundry gegründet.Es verkauft Diamanten, die zwar au fdne ersten Blick ein bisschen anders sind - strahlend weiße Hochkaräter, schon geschliffen, marktübliche Preise - doch ihre Herkunft ist so eindeutig geklärt wie ethisch korrekt: USA, außerhalb von San Francisco, Plasmareaktor 1 bis 20. Es sind: im Labor gezüchtete DIamanten!

Der 46jährige ist nicht der Erste, der mit künstichen Diamanten experimentiert. Mit dem Unterschied, dass seine streng genommen nicht künstlich sind. "Wir benutzen einen echten Diamanten als Saatgut" erklärt Roscheisen. "Eine feine Platte, wie ein Fundament, dass in einem Plasmareaktor so stark erhitzt wird, dass die kristallinen Strukturen darauf wachsen wie in der Natur." Man simuliert im Labor den Prozess, der sonst im Erdinneren stattfindet. Innerhalb von 2 Wochen entsteht dann ein quasi-natürlicher Rohdiamant.Der Nukleus. der einmal aus einer normalen Mine stammte, wird immer wieder verwendet. Nicht einmal Edelsteinexperten können hinterher einen Unterschied erkennen, sagt Roscheisen. "Nur wenn sie aufwendige Laboruntersuchungen anstellten, würden sie am Ende Konstatieren, dass die Steine zwar echt sind, aber aus keiner Mine stammten.

Start-Up mit Diamanten
Roscheisen ist kein Neuling in San Francisco und dem Silicon Valley. Nach seinem Studium der Computerwissenschaften in München ging der Deutsche mit österreichischem Pass 1992 nach Stanford. Unter seinen Kommilitonen saßen zwei Typen namens Larry Page und Sergey Brin, die später Google erfinden sollten. Die drei sind bis heute befreundet. Auch Roscheisen wurde einer der Top-Gründer in den Dotcom-Jahren und verdiente Millionen, die er Anfang Nullerjahre in Solartechnologie investierte.
Sein Start-Ip Nanosolar war über 2 Milliarden Dollar wert, bis es schließlich nicht mehr mithalten konnte bei den Dumpingpreisen der chinesischen Konkurrenz.

Nun hatten sie aber für Hundrte Millionen Dollar Solarzellen gebaut und ein exzellentes Team von Wissenschaftlern zusammengestellt - damit musste man doch etwas Sinnvolles anstellen können, dachte Roscheisen damals. Wie wäre es zum Beispiel mit: Diamanten erzeugen, wertvoller noch als Gold? Klang doch ziemlich sinnvoll.

Hoch kompliziert war es allerdings auch. rund drei Jahre und Dutzende Fehlversuche dauerte es, bis 2015 der erste lupenreine Diamant kultiviert werden konnte. Kleine gelbliche oder bräunliche Diamanten hatten schon andere synthetisch hergestellt, "aber die Luxusindustrie will vor allem weiße, hochkarätige Ware", sagt Roscheisen. Einer der Ersten, die sofort in Diamond Foundry investieren wollten, war passenderweise Leonardo DiCaprio, der ja nach "Blood Diamond" im Thema war. Aufder Firmenwebseite schreib dr Schauspieler, er sei stolz, dass es in Amerika nun echte Diamanten gebe, ohne den Preis der ökologischen und humanitären Folgen, der Minenförderung.

Seit rund einem Jahr verkauft Diamond Foundry lose Diamanten sowie von verschiedenen Goldschmieden entworfene Schmuckstücke übers Internet.Selbst Goldschmiede, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind, seine begeistert von  der Qualität, ebenso die Polierer von Tiffany, sagt Roscheisen. Neulich wurde im exkulsiven NewYorker Departmentstore Barneys eine Schmuckkollektion it den ethisch korretken Diamanten vorgestellt. Längst kommen sie im Labor mit der Nachfrage nicht mehr hinterher, was produziert wird, ist immer sofort vergriffen.

2000 Karat entstehen aktuell pro Monat, das sind 400 Gramm und lediglich 0,01 Prozent des aktuellen Gesamtvolumens der Branche.Künstliche Diamanten werden also vorerst weder den Markt überschwemmen noch die Preise kaputt machen. Die nächsten Raktoren sind in Planung, aber die Ausrüstung ist kostspielig und dauert rund 9 Monate Bauzeit."Wir brauchten Fabriken voller Raktoren, um den weltweiten Bedarf zu decken, "sagt Roscheisen. Trotzdem befinde sich die Industrie bereits in  Angst und Schrecken. Große Diamantenhändler, allen voran DeBeers, kontrollieren bislang den Markt. Konkurrenz können sie nicht gebrauchen, vor allem nicht solche, die an das Gewissen der Kundschaft appelliert.

Aber selbst wenn äußerlich kein Unterschied zu erkennen ist - können Diamanten aus em Labor tatsächlich den emotionalen Wert eines in der Erde geformten Naturwunders erreichen?
Strahlen ide Steine im Kopf genauso hell, damit die Frauen bei ihrem Anblick weiterhin reihenweise "I will!" flüstern?
Roscheisen glaubt, das Umdenken sei bereits in vollem Gange. Die großen Diamentenhändler wüssten doch selbst oft nicht, woher ihre Steine stammen. Die Kundschaft aber forderten immer mehr Transparenz, gerade in der Luxusindustrie. "Kein Wein ist wertvoll, von dem man nicht weiß, woher er stammt, bei Handtaschen ist das Etikett "Made in Italy" immens wichtig", sagt Roscheisen. Auch bei Diamanten werden die Leute irgendwann ein reines Gewissen haben wollen. Das bleibt nämlich auch: unvergänglich.

Quelle: Spielgel vom 15.12.2016 (Silke Wichert)


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Simon McGowan ist Wissenschaftler am Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) in Hannover – und Simon forscht in Sachen Plastik. Genauer gesagt sucht er nach Gegenentwürfen zu umweltschädlichen Kunststoffen, nach sogenanntem Bioplastik. Doch was ist das überhaupt, wie stellt man es her und kann es eine wirkliche Alternative zu konventionellen Plastik sein?

 

Was ist das genau? Wie wird es hergestellt und ist es wirklich komplett abbaubar?

Bei Biokunststoffen handelt es sich um eine Gruppe von Kunststoffen, die verschiedene Eigenschaften haben können. Einige Biokunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt. Andere Biokunststoffe können biologisch abgebaut werden. Laut Definition muss ein Biokunststoff mindestens eine dieser beiden Eigenschaften besitzen. Manche Biokunststoffe wie z.B. Polymilchsäure (PLA) besitzen beide Eigenschaften.

So unterschiedlich wie die einzelnen Biokunststoffe sind auch die Herstellungswege. Polymilchsäure und PHB werden zum Beispiel fermentativ, also durch einen biochemischen Prozess hergestellt. Bei Bio-PE ist der Herstellungsprozess dem von nicht biobasiertem PE sehr ähnlich. Hier wird jedoch statt Rohöl ein Bio-Alkohol als Ausgangsstoff verwendet.

Bioabbaubare Biokunststoffe sind zu 100% abbaubar. Wichtig dabei ist, dass bei der Bioabbaubarkeit keine Zeitvorgabe gegeben wird (im Gegensatz zur Kompostierbarkeit). Zum Beispiel ist Holz bioabbaubar. Wenn ich im Esszimmer einen Tisch aus Eichenholz stehen habe, wird der vermutlich sehr lange halten. Wenn ich jedoch einen Eisstiel aus Holz im Garten auf den Kompost werfe, wird der vermutlich nach einem Sommer abgebaut sein. Das soll heißen, dass die Form der Biokunststoffprodukte und die Umgebungsbedingungen einen starken Einfluss auf die Abbaugeschwindigkeit haben. Aber abbaubar bleibt abbaubar.

Kann sich Bioplastik in der Industrie durchsetzen?

Wenn es einen abbaubaren Kunststoff gibt, warum wird er noch nicht überall eingesetzt?
Was sind die größten Probleme?

Abbaubar muss nicht immer ein Vorteil sein. In der Medizintechnik können z.B. Einwegspritzen in Sterilverpackungen fast ewig gelagert werden. Auch viele Textilien halten durch Beigabe von Kunstfasern besonders lange oder bekommen spezielle Eigenschaften wie z.B. regenabweisend oder feuchtigkeitsregulierend.

Anders sieht es bei Lebensmittelverpackungen aus. Insbesondere bei frischen Lebensmitteln wie z.B. Obst und Gemüse. Hier könnten bioabbaubare Biokunststoffe gut zum Einsatz kommen, um die Lebensmittel für den kurzen Zeitraum des Transports bis zum Verbraucher zu schützen. Insbesondere gilt das auch für alle To-go-Produkte wie z.B. Kaffeebecher, Rührstäbchen oder Pommes-Gabeln, da hier die Nutzdauer kurz und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass diese Produkte nicht ordnungsgemäß entsorgt werden und in der Umwelt landen.

Ich denke, dass hier der Preis eine ganz wesentliche Rolle spielt. Biokunststoffe sind in der Regel momentan mindestens doppelt so teuer wie herkömmliche Kunststoffe. Des Weiteren vermute ich, dass auch politische Diskussionen zum Tragen kommen. Biokunststoffe werden teilweise aus Rohstoffen hergestellt, welche auch zur Lebensmittelherstellung dienen könnten. Viele Produzenten von Lebensmitteln möchten diese Debatte umgehen und verzichten lieber auf biobasierte Biokunststoffe. Dabei ist es extrem wichtig, offen mit den Fakten umzugehen und Aufwand und Nutzen abzuwägen.

Was denkst du über die Verwendung von Lebensmitteln zur Herstellung von Biokunststoffen?
In einer Welt, in der viele Menschen hungern, ist das ein schwieriges Thema. Wir sind uns auf jeden Fall bewusst, dass wir mit potenziellen Lebensmitteln als Rohstoff arbeiten und versuchen, damit offen umzugehen. In Deutschland werden jährlich bis zu 600.000 Tonnen Stärke in der Papierindustrie verbraucht. Mit derselben Menge Stärke könnte man auch 360.000 Tonnen PLA herstellen. Niemand beschwert sich, dass in der Papierindustrie Lebensmittel stofflich verwendet werden. Das macht es natürlich nicht besser.

Wir müssen den Aufwand zum Nutzen bewerten und die vorhandenen Rohstoffe effizient einsetzen. Deswegen ist eine Plastiktüte aus Biokunststoff fast genauso unökologisch wie eine Tüte aus herkömmlichen Kunststoff. Hier steht der Rohstoffaufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Dabei spielt die Quelle der Rohstoffe nur eine untergeordnete Rolle. Ich halte den Einsatz von Mais oder Kartoffeln zur Herstellung von Biokunststoffen vertretbar. Allerdings nur dann, wenn der Biokunststoff sinnvoll eingesetzt wird.

Wird PLA in der Industrie schon genutzt?
Ja, zum Beispiel setzt Danone Polymilchsäure für ihre „Activia“-Becher ein. Auch im Bereich von Obst- und Gemüseverpackungen wird häufig PLA eingesetzt. Es gibt zahlreiche Einweggeschirrartikel aus bioabbaubarem Kunststoff. Wobei man sich grundsätzlich über den Sinn von Einweggeschirr streiten kann. Des Weiteren haben wir vor kurzem für die Firma Nager IT eine  stabilisierte PLA- Rezeptur entwickelt, welche zur Herstellung von Computermäusen verwendet wird.


Denken wir mal zehn Jahre in die Zukunft. Glaubst Du, PLA kann herkömmlichen Kunststoff langfristig ersetzen?
Hier ein klares Nein! Dafür gibt es zu viele Anwendungen von Kunststoffen, die auf extreme Langlebigkeit und Stabilität gegen Umwelteinflüsse ausgelegt sind.
Aber der Anteil an Biokunststoffen wird sich dennoch rasant erhöhen. Insbesondere, wenn der Ölpreis wieder steigt, wird die Nachfrage an biobasierten Biokunststoffen stark zunehmen. Auch entwickeln sich langsam die Recyclingmöglichkeiten für viele Biokunststoffe, was bis dato noch ein großer Nachteil war

Was treibt Dich bei Deiner Arbeit am meisten an?
Ich glaube, dass durch den umsichtigen Einsatz von Biokunststoffen einige Probleme in der Welt reduziert werden können. Ich hoffe also, einen kleinen Teil dazu beitragen zu können, dass einige Fehler der Menschheit abgeschwächt werden. Insbesondere das Thema Verschmutzung der Meere durch Kunststoffe bewegt mich. Hier können wir durch den Einsatz von Biokunststoffen einen kleinen Teil dazu beitragen, dieses Problems Herr zu werden. Aber die meisten großen Probleme lassen sich nur durch eine Vielzahl kleiner Lösungen in den Griff bekommen.

Quelle: reBLOG


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