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Die Tankstellenkette Aral etwa berechnet seit Anfang Februar in den gesellschaftseigenen Tankstellen Kunden, die ihren eigenen Becher mitbringen, 10 Cent weniger. Auch in den McCafés von McDonald's und bei der Bäckereikette Kamps ist der Kaffee im eigenen Becher 10 Cent billiger. Starbucks gibt sogar 30 Cent Rabatt. Auch viele kleiner Cafés haben längst ähnliche Angebote.

„Solche Aktionen stärken das Image. Die Kunden erwarten heute, dass sich die Unternehmen für die Umwelt einsetzen. Das gilt gerade für die jüngere Generation“, erklärt der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU das Engagement der Unternehmen.
Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die seit langem gegen die Kaffeebecher-Flut Front macht, begrüßt die Offerten. Dass „die Unternehmen ein Anreizsystem nutzen, ist schon der richtige Weg“, meint er. Doch ganz zufrieden ist er nicht. Den Umweltschützer ärgert, dass die Angebot von vielen Unternehmen nicht aktiv im Laden beworben werden, sondern eher ein Schattendasein fristen. In den Augen des DUH-Experten ist das dann weniger Umweltschutz als „Greenwashing“, also der Versuch, sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen.
Auch der zum Rewe-Konzern gehörende Discounter Penny versucht, seine Kunden mit kleinen Belohnungen zu umweltfreundlichem Verhalten zu bewegen. Penny hat nicht nur - wie einige andere Lebensmittelhändler - die Plastiktüten abgeschafft. Wer stattdessen mit der Penny-Permanenttragetasche aus Recyclingmaterial zum Einkaufen kommt, erhält jedes Mal zehn Cent Rabatt. Und die gleiche Summe spendet das Unternehmen noch einmal an Projekte zur Kinder- und Jugendförderung.

„Wir wollen den Kunden auf die Permanenttragetasche hinlenken, denn sie hat die beste Umweltbilanz“, erklärt Firmensprecher Andreas Krämer. DUH-Experte Fischer hält das für eine gute Idee. Viel zu oft werde die Plastiktüte einfach durch eine Papiertüte ersetzt, die bei der Herstellung sogar noch mehr Ressourcen verbrauche. „Darum ist der Ansatz Rabatt für Mehrweg sehr gut“, meint er. Eines ärgert Fischer aber doch: „Das Konzept wäre noch deutlich besser und hätte nicht so ein Geschmäckle, wenn das Angebot nicht nur für Penny-Tragetaschen gelten würde. So kommt man sich vor wie ein Werbeträger.“
Auch einige Textilhändler spielen inzwischen die Umweltkarte: So nimmt beispielsweise H&M in seinen Filialen „Altkleider aller Marken und in jedem Zustand“ entgegen, um sie dem Recycling zuzuführen. Die Kunden erhalten dafür einen Rabatt-Gutschein über 15 Prozent. Ein ganz ähnliches Angebot gibt es auch bei der eher auf ältere Zielgruppen ausgerichteten Modekette Adler. Hier gibt es Einkaufsgutscheine für das Adler-Sortiment.

„Das Hauptziel solcher Aktionen ist es, die Kunden dazu zu bewegen, etwas Neues zu kaufen“, urteilt allerdings Handelsexperte Fassnacht. Fischer von der Deutschen Umwelthilfe kann ihnen dennoch etwas Gutes abgewinnen - vorausgesetzt, „es ist ernst gemeint und ein möglicher Gewinn kommt Sozialprojekten zugute“. Er glaubt, das Beispiel der Vorreiter könnte in absehbarer Zeit auch bei anderen großen Textilhändlern Nachahmer finden.

dpa


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seit 2016 produziert der Hobbychocolatier Hendrik Reimers mit seinem Unternehmen fairafric feinste Schokolade direkt in Afrika. Während bei konventioneller und Fairtrade Schokolade die Produktion und somit die Wertschöpfung in Europa stattfinden, sorgt fairafric für den Anbau und die Fertigung direkt im westafrikanischen Ghana. Damit schafft das deutsch-ghanische Startup vor Ort Strukturen für nachhaltigen und dauerhaften Wandel, denn durch die Verlagerung der Produktion nach Ghana entstehen gut bezahlte und hoch qualifizierte Arbeitsplätze über die Landwirtschaft hinaus. Bisher kann eine 70%ige Zartbitterschokolade bei einem der 100 Partnerhändler oder im hauseigenen Onlinestore für 2,99€ das Stück erworben werden.

„Eine Tafel Fairtrade Schokolade schafft in dem Ursprungsland zwischen 0,7 und 1,4 Cent zusätzliches Einkommen verglichen mit konventioneller Schokolade, davon muss man noch die Zertifizierungskosten abziehen.“ erläutert Gründer Hendrik Reimers und hebt hervor: „Bei uns sind es insgesamt mindestens 70 Cent pro Tafel, die nach Ghana fließen, und damit 50 Cent mehr als bei konventioneller Schokolade.“

Um das Sortiment um weitere sechs Sorten zu vergrößern und eine Bio Zertifizierung zu erlangen, hat fairafric seine zweite Kickstarter Kampagne gestartet, die noch 22 Tage unterstützt werden kann. Unterstützern winken als Belohnungen neben leckerster Schokolade in Bioqualität als Geschenksets oder frei zusammenstellbar winken den Unterstützern der besonders fairen Schokolade auch in ihrem Namen gepflanzte Bäume in Ghana. 


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"Luther Kaffee" - der neue Bio-Kaffee aus Fairem Handel

Martin Luther veröffentlichte im Oktober 1517seine 95 Thesen. Die Reformation beeinflusste nicht nur dieKirche, sondern auch die gesamte Bildungswelt und setztegesellschaftliche Veränderungen in Gang.

Zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 bringt dieRavensburger dwp eG Fairhandelsgenossenschaft nun den"Luther Kaffee" heraus. Der Fair Trade Kaffee aus biologischem Anbau stammt von Kleinbauernfamilien in Nicaraguaund Äthiopien, die durch den Fairen Handel ein deutlich höheres Einkommen erzielen als imkonventionellen Handel. Neben fairen Produzentenpreisen bietet die dwp eG ihren PartnerInnen langfristige und direkte Handelskontakte, Zuschläge für Bio-Anbau, einen Aufpreis für Sozialprojekte wie z.B. dem Aufbau von Schulen und Vorfinanzierungen von mindestens 50% des Auftragswertes bei Bestellung.

Der "Luther Kaffee" der Marke WeltPartner ist ein Kooperationsprodukt der dwp eGFairhandelsgenossenschaft und der Evangelischen Landeskirche Baden (EKIBA).Pro Kilogramm verkauftem "Luther Kaffee" überweist die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft1 Euro an EKIBA, die wiederum diesen Spendenanteil ohne Abzüge an soziale Projekteweiterleitet, welche von der Evangelischen Landeskirche Baden unterstützt werden, beispielsweise für die medizinische Versorgung der Mayangna-Indianer im UNESCO Biosphärenreservat BOSAWAS sowie dessen Schutz in Nicaragua.

Die Mayangna-Indianer leben seit Jahrhunderten vom Regenwald. Doch Goldsucher und Holzhändler besetzen Teile des Reservates und roden den Urwald. Auch Bauern dringendurch extensive Landnutzung in die Schutzzone ein. Naturkatastrophen bedrohen ebenfallsdie Kultur und die Lebensgrundlage der Mayangnas, die Armut ist groß. Mit den Spenden sollunter anderem eine Apotheke aufgebaut und die medizinische Versorgung der Mayangnasgewährleistet werden. Auch der Schutz des Biosphärenreservates soll mit den Spendensichergestellt werden. Die Evangelische Landeskirche Baden unterstützt dieses Projekt in Nicaragua seit fünf Jahrenmit Projektmitteln.

Als Fairhandelspionier sieht die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft - gegründet 1988 - eine enge Verbindung zwischen Fairem Handel, Nachhaltigkeit, langfristiger Armutsbekämpfungin benachteiligten Ländern und sozialem Engagement. Die Kooperation mit der Evangelischen Kirche Baden und die Idee eines Spendenanteils waren daher naheliegend.

Der "Luther Kaffee" ist eine Bio-Mischung von nicaraguanischen Hochland-Arabica-Bohnen(SHG* = strictly high grown), abgerundet und verfeinert durch Beimischung eines edlen Sidamo-Arabica aus Äthiopien. Durch die schonende Langzeitröstung entfaltet dieser Kaffeesein besonderes Aroma und macht ihn besonders verträglich. Der Kaffee ist geeignet für alle Kaffeevollautomaten und gängigen Zubereitungsarten. Der Fair Trade Kaffee aus biologischem Anbau ist als 250g gemahlen und 500g Bohne ab Ende Juli 2016 bei der dwp eG erhältlich. Der Spendenanteil von 1 Euro pro verkauftem Kilogramm Kaffee fließt zu 100% in soziale Projekte, die von der Evangelischen Landeskirche Baden unterstützt werden.
*SHG ist die Abkürzung für "Strictly High Grown" und gibt einen wichtigen Hinweis auf die Höhenlage des Anbaugebietes des Kaffees. Die Höhe des Kaffeestandortes ist eines der entscheidenden Qualitätsmerkmale. SHG bezeichnet die Höhenlage,in der die besten Kaffeequalitäten erzielt werden.

Bei Presserückfragen: Martin Lang,
Inforeferent: info@dwpeg.de
Bezug:dwp eG Fairhandelsgenossenschaft, Hinzistobler Straße 10, D-88212 Ravensburg,Tel.: 0751-36155-0,
bestellung@dwpeg.de

dwp eG Fairhandelsgenossenschaft dwp wurde 1988 von Weltläden aus der Region Oberschwaben als GmbH gegründet und 2005 in die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft umgewandelt. Dadurch bringen wir alle Beteiligten der Fairhandelskette enger zusammen: ProduzentInnen, Weltläden,MitarbeiterInnen und EndkundInnen sind Mitglieder bei der dwp eGFairhandelsgenossenschaft. Uns verbindet eine partnerschaftliche Handelsbeziehung mit mehr als 60ProduzentInnengruppen und den darin zusammengeschlossenen zehntausenden von ProduzentInnen und Kleinbauernfamilien weltweit. Neben fairen Produzentenpreisen bieten wir unseren PartnerInnen langfristige und direkte Handelskontakte, Zuschläge für Bio-Anbau, einen Aufpreis für Sozialprojekte wie z.B. dem Aufbau von Schulen und Vorfinanzierungen von mindestens 50% des Auftragswertes bei Bestellung. Das Sortiment umfasst etwa 1.500 Produkte -- Lebensmittel der Eigenmarke WeltPartner, Kunsthandwerk und Textilien. Darüber hinaus importiert und verkauft dwp fair gehandelteRohstoffe wie beispielsweise Zucker und Mangopüree. Großen Wert legt dwp auf die Förderung von kleinbäuerlichen Strukturen und den Bio-Anbau. So sind bereits 90% der Lebensmittel bio-zertifiziert.dwp liefert direkt an Weltläden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Bio- und Naturkostläden, regionale Lebensmittel-Einzelhändler, Lebensmittelverarbeiter, Großverbraucher, Firmen, Kommunen und Endkunden über den Onlineshop.
Die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft ist anerkannter Importeur und Lieferant der Weltläden in Deutschland und Österreich und unter anderem Mitglied beim Forum Fairer Handel und bei der WFTO, dem weltweiten Dachverband des Fairen Handels. Eine beispielhafte Kooperation besteht seit den 90er Jahren mit der Bruderhaus Diakonie,einer Werkstatt für psychisch erkrankte Menschen. Die Beschäftigten erledigen direkt amdwp-Firmensitz in Ravensburg wichtige Aufgaben im Bereich Abfüllung, Verpackung und Etikettierung und erhalten vielfältige Chancen für einen Wiedereinstieg in den ersten  Arbeitsmarkt. In Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich bietet dwp seit Jahren regelmäßig mehreren Jugendlichen mit Lernschwächen oder Autismus Ausbildungsplätze an und konnte bisher fast alle zu einem erfolgreichen Abschluss führen. Für unseren langjährigen Partner, dem philippinischen Kinderschutzzentrum Preda, leistet die dwp eG Fairhandelsgenossenschaft seit vielen Jahren aktive Unterstützung zum Thema Kampagnenarbeit gegen Sextourismus und Kinderprostitution. Als erste Fairhandelsorganisation in Deutschland hat dwp eine Gemeinwohlbilanz über dieeigene Arbeit erstellt.

www.dwpeg.de


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Martin Roscheisen züchtet Edelsteine, die sich in Farbe und Reinheit kaum von natürlichen unterscheiden - und genauso wertvoll sind.

Die Filmkarriere dieser funkelnden Steine ist ziemlich beeindruckend: Sie ließen Audrey Hepburn ständig auf ein New Yorker Schaufenster starren, in Guy Richies "Snatch" wird einer der Steine von eiem Pibull verschluckt, bei James Bond landet ein ganzer Schwung im Krematorium.Alles natürlich folgenlos, schließöich sind Diamanten das härteste Mineral der Weltm und deshalb: unvergänglich! Das hat zwar Mitte des 20. Jahunders die Werbung erfunden, aber die Vorstellung ist zu schön,  um wahr zu sein. Deshalb sin die Klunker ja bekanntlich auch "a girl's best friend".

Nur mit der Umwelt sind sie leider nicht ganz so gut befreundet,. Für dieweit in die Erde reichenden Diamantenminen werden Flüsse verschmutzt und Wälder gerodet; das Ökosystem leidet. Und noch etwas weiß man spätestens seit einem Hollywood-Film. Für Bürgerkriege tragen sie mitunter genauso große Schulde, wie "Blood Diamond" von 2006 mit Leonardo diCaprio zeigte. Am Begerhen hat all das erstaunlicherweise kaum etwas geändert. Das Diamantenfieber ist ungebrochen.

Luxus aus dem Labor
Wenn es nach dem in München geborenen Martin Roscheisen geht, wird in der Branche allerdings schon bald nichts mehr so sein wie früher.Dafür hat er das Unternehmen Diamond Foundry gegründet.Es verkauft Diamanten, die zwar au fdne ersten Blick ein bisschen anders sind - strahlend weiße Hochkaräter, schon geschliffen, marktübliche Preise - doch ihre Herkunft ist so eindeutig geklärt wie ethisch korrekt: USA, außerhalb von San Francisco, Plasmareaktor 1 bis 20. Es sind: im Labor gezüchtete DIamanten!

Der 46jährige ist nicht der Erste, der mit künstichen Diamanten experimentiert. Mit dem Unterschied, dass seine streng genommen nicht künstlich sind. "Wir benutzen einen echten Diamanten als Saatgut" erklärt Roscheisen. "Eine feine Platte, wie ein Fundament, dass in einem Plasmareaktor so stark erhitzt wird, dass die kristallinen Strukturen darauf wachsen wie in der Natur." Man simuliert im Labor den Prozess, der sonst im Erdinneren stattfindet. Innerhalb von 2 Wochen entsteht dann ein quasi-natürlicher Rohdiamant.Der Nukleus. der einmal aus einer normalen Mine stammte, wird immer wieder verwendet. Nicht einmal Edelsteinexperten können hinterher einen Unterschied erkennen, sagt Roscheisen. "Nur wenn sie aufwendige Laboruntersuchungen anstellten, würden sie am Ende Konstatieren, dass die Steine zwar echt sind, aber aus keiner Mine stammten.

Start-Up mit Diamanten
Roscheisen ist kein Neuling in San Francisco und dem Silicon Valley. Nach seinem Studium der Computerwissenschaften in München ging der Deutsche mit österreichischem Pass 1992 nach Stanford. Unter seinen Kommilitonen saßen zwei Typen namens Larry Page und Sergey Brin, die später Google erfinden sollten. Die drei sind bis heute befreundet. Auch Roscheisen wurde einer der Top-Gründer in den Dotcom-Jahren und verdiente Millionen, die er Anfang Nullerjahre in Solartechnologie investierte.
Sein Start-Ip Nanosolar war über 2 Milliarden Dollar wert, bis es schließlich nicht mehr mithalten konnte bei den Dumpingpreisen der chinesischen Konkurrenz.

Nun hatten sie aber für Hundrte Millionen Dollar Solarzellen gebaut und ein exzellentes Team von Wissenschaftlern zusammengestellt - damit musste man doch etwas Sinnvolles anstellen können, dachte Roscheisen damals. Wie wäre es zum Beispiel mit: Diamanten erzeugen, wertvoller noch als Gold? Klang doch ziemlich sinnvoll.

Hoch kompliziert war es allerdings auch. rund drei Jahre und Dutzende Fehlversuche dauerte es, bis 2015 der erste lupenreine Diamant kultiviert werden konnte. Kleine gelbliche oder bräunliche Diamanten hatten schon andere synthetisch hergestellt, "aber die Luxusindustrie will vor allem weiße, hochkarätige Ware", sagt Roscheisen. Einer der Ersten, die sofort in Diamond Foundry investieren wollten, war passenderweise Leonardo DiCaprio, der ja nach "Blood Diamond" im Thema war. Aufder Firmenwebseite schreib dr Schauspieler, er sei stolz, dass es in Amerika nun echte Diamanten gebe, ohne den Preis der ökologischen und humanitären Folgen, der Minenförderung.

Seit rund einem Jahr verkauft Diamond Foundry lose Diamanten sowie von verschiedenen Goldschmieden entworfene Schmuckstücke übers Internet.Selbst Goldschmiede, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind, seine begeistert von  der Qualität, ebenso die Polierer von Tiffany, sagt Roscheisen. Neulich wurde im exkulsiven NewYorker Departmentstore Barneys eine Schmuckkollektion it den ethisch korretken Diamanten vorgestellt. Längst kommen sie im Labor mit der Nachfrage nicht mehr hinterher, was produziert wird, ist immer sofort vergriffen.

2000 Karat entstehen aktuell pro Monat, das sind 400 Gramm und lediglich 0,01 Prozent des aktuellen Gesamtvolumens der Branche.Künstliche Diamanten werden also vorerst weder den Markt überschwemmen noch die Preise kaputt machen. Die nächsten Raktoren sind in Planung, aber die Ausrüstung ist kostspielig und dauert rund 9 Monate Bauzeit."Wir brauchten Fabriken voller Raktoren, um den weltweiten Bedarf zu decken, "sagt Roscheisen. Trotzdem befinde sich die Industrie bereits in  Angst und Schrecken. Große Diamantenhändler, allen voran DeBeers, kontrollieren bislang den Markt. Konkurrenz können sie nicht gebrauchen, vor allem nicht solche, die an das Gewissen der Kundschaft appelliert.

Aber selbst wenn äußerlich kein Unterschied zu erkennen ist - können Diamanten aus em Labor tatsächlich den emotionalen Wert eines in der Erde geformten Naturwunders erreichen?
Strahlen ide Steine im Kopf genauso hell, damit die Frauen bei ihrem Anblick weiterhin reihenweise "I will!" flüstern?
Roscheisen glaubt, das Umdenken sei bereits in vollem Gange. Die großen Diamentenhändler wüssten doch selbst oft nicht, woher ihre Steine stammen. Die Kundschaft aber forderten immer mehr Transparenz, gerade in der Luxusindustrie. "Kein Wein ist wertvoll, von dem man nicht weiß, woher er stammt, bei Handtaschen ist das Etikett "Made in Italy" immens wichtig", sagt Roscheisen. Auch bei Diamanten werden die Leute irgendwann ein reines Gewissen haben wollen. Das bleibt nämlich auch: unvergänglich.

Quelle: Spielgel vom 15.12.2016 (Silke Wichert)


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Die Zukunft der Marktwirtschaft in der jetzigen Form steht auf dem Spiel, schreibt Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz in einem Gastbeitrag in der F.A.Z. anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos. Was Unternehmen jetzt tun sollten.


Die wachsende Ungleichheit ist eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft. Zu diesem Schluss sind die in Davos versammelten Wirtschaftsführer in den vergangenen Jahren gelangt. Sie haben erkannt, dass dies nicht allein eine moralische Frage ist, sondern auch eine wirtschaftliche. Wenn normale Bürger nicht über genügend Einkommen verfügen, um die von Unternehmen hergestellten Produkte zu kaufen, wie sollen diese Unternehmen dann wachsen? Diese Einsicht stimmt mit den Erkenntnissen des Internationalen Währungsfonds (IWF) überein, wonach Länder mit geringerer sozialer Ungleichheit ökonomisch besser dastehen.

Ist eine Mehrheit der Bürger der Meinung, dass sie keinen gerechten Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung hat, kann sich diese gegen unser wirtschaftliches und politisches System wenden – oder zumindest gegen jene Teile, denen die Schuld dafür gegeben wird. Fühlt sich die Mehrheit von der Globalisierung benachteiligt, dann könnten sich diese Menschen gegen die Globalisierung wenden.

Besorgniserregend ist dabei, dass der Ausgang der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten sowie das Brexit-Votum in Großbritannien nahelegen, dass sich ein solcher Aufstand schon formiert. Das ist durchaus verständlich, schließlich stagniert in den Vereinigten Staaten das Durchschnittseinkommen der unteren 90 Prozent seit einem Vierteljahrhundert auf demselben Niveau. Die durchschnittliche Lebenserwartung nimmt dort sogar wieder ab.

Acht Männer besitzen so viel wie 3,6 Milliarden Menschen
Die Organisation Oxfam, die sich der weltweiten Bekämpfung der Armut verschrieben hat, beobachtet seit Jahren die weltweite Zunahme der Ungleichheit. 2014 zeichnete sie ein sehr eingängiges Bild davon. Sie besetzte einen metaphorischen Bus mit den 85 reichsten Menschen des Planeten – von denen viele in Davos anzutreffen sind –, die zu diesem Zeitpunkt über dasselbe Vermögen verfügten wie die untere Hälfte der weltweiten Bevölkerung.
Es ist nicht überraschend, dass dies auch von den führenden Managern in Davos erkannt wurde. Für manche ist es eine moralische Frage; für alle ist es jedoch auch eine wirtschaftliche und politische. Die Zukunft der Marktwirtschaft in der jetzigen Form steht auf dem Spiel. Auf jedem Treffen haben sich die Wirtschaftsführer in Davos der Frage gewidmet: Gibt es etwas, was die Unternehmen tun können, um diesem Übel beizukommen, dass die politische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit unserer demokratischen Marktwirtschaften bedroht? Die Antwort ist: ja.

Geld in Steueroasen parken ist nicht intelligent, sondern unmoralisch
An erster Stelle steht eine ganz einfache Idee: Zahlt Eure Steuern.
Das ist der Grundbaustein der unternehmerischen Sozialverantwortung. Verzichtet auf die Verlagerung von Gewinnen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen. Mag sein, dass sich Apple ungerecht behandelt fühlt; schließlich war die Steuervermeidungsstrategie des Unternehmens nur ein klein wenig ausgefeilter als die anderer Unternehmen.
Verzichtet auf Verschleierungsstrategien und die Nutzung von Offshore- oder Onshore-Steuerparadiesen, seien diese nun in Panama oder den Cayman Islands, in Irland oder Luxemburg ansässig. Verzichtet darauf, Länder in einen gegenseitigen steuerrechtlichen Wettbewerb zu treiben, ein Rennen in den Abgrund, bei dem die wirklichen Verlierer die Armen und die ganz normalen Bürger in aller Welt sind.


Es ist eine Schande, wenn sich ein Präsident damit brüstet, beinahe zwei Jahrzehnte lang keine Steuern gezahlt zu haben – weil das intelligente Leute nicht tun würden –, oder wenn ein Unternehmen lediglich 0,005 Prozent seines Gewinns in Steuern abführt, wie es Apple getan hat. Das ist nicht intelligent, es ist unmoralisch. Allein dem afrikanischen Kontinent entgehen 14 Milliarden Dollar Steuereinnahmen, weil die Superreichen Steueroasen nutzen.

Oxfam hat errechnet, dass der Betrag ausreichen würde, um über eine angemessene Gesundheitsversorgung das Leben von vier Millionen Kindern zu retten und genug Lehrer anzustellen, damit jedes afrikanische Kind die Schule besuchen kann.

Investiert in die Zukunft des Unternehmens!
Die zweite Idee ist ebenso simpel: Behandelt Eure Arbeiter anständig. In Vollzeit angestellte Arbeiter sollten nicht in Armut leben. In Großbritannien leben 31 Prozent der Haushalte, in denen ein Erwachsener in Vollzeit arbeitet, noch immer in Armut. Der Nettoverdienst von Managern in großen amerikanischen Konzernen

Das ist weit mehr als in anderen Ländern oder zu anderen Zeiten und diese Diskrepanz lässt sich auch nicht mit Produktivitätsunterschieden erklären. In vielen Fällen ist der Nettoverdienst von CEOs einfach deshalb so hoch, weil sie es können. Und sie tun es nicht nur auf Kosten der eigenen Angestellten, sondern behindern damit auch das langfristige Wachstum ihres Unternehmens. Henry Ford war die Idee eines angemessenen Lohns sehr wohl bewusst, aber seine Weisheit scheint an einigen Managern von heute vorübergegangen zu sein.

Auch die dritte Idee ist überaus simpel, erscheint heute jedoch immer radikaler: Investiert in die Zukunft des Unternehmens, in die Angestellten, in die Technik, ins Betriebskapital. Ohne solche Investitionen wird es in Zukunft keine Arbeitsplätze geben, und die Ungleichheit wird noch weiter zunehmen. Statt die Gewinne wieder in das Unternehmen zu investieren, werden immer größere Teile davon an die Gesellschafter ausgegeben. Um 1970 herum wurden in Großbritannien etwa 10 Prozent der Gewinne ausgeschüttet; heute sind es 70 Prozent.

Historisch gesehen erfüllten Banken (und ganz allgemein der Finanzsektor) die wichtige Aufgabe, Geld von Privathaushalten einzusammeln, damit dieses von der Wirtschaft zum Bau von Fabriken und zur Schaffung von Arbeitsplätzen eingesetzt werden konnte. In den Vereinigten Staaten dient dieses von Unternehmen geliehene Geld heute jedoch vor allem der Auszahlung von Dividenden.

Das „inakzeptable Gesicht des Kapitalismus“
Im vergangenen Jahr musste der britische Einzelhandelsmagnat Phillip Green einem parlamentarischen Komitee Rede und Antwort über die fehlenden Investitionen seines Unternehmen stehen. Er zog ein großes Vermögen aus seinem Unternehmen, führte es jedoch in den Bankrott, mit einem Altersvorsorgedefizit von 200 Millionen britischer Pfund. Obgleich er zum Ritter geschlagen und von einer Reihe von Regierungen geehrt und überall als Musterbeispiel eines britischen Unternehmers gefeiert wurde, könnte die Beschreibung seiner Person durch das parlamentarische Komitee nicht treffender sein: das „inakzeptable Gesicht des Kapitalismus“.

Vielen Unternehmen ist bewusst, dass die Frage, wie erfolgreich sie sind, nicht allein von ökonomischen Gesetzen abhängt, sondern Ergebnis der in den Hauptstädten der jeweiligen Länder geschriebenen Gesetze ist. Deshalb stecken Unternehmen soviel Geld in Lobbyarbeit. In den Vereinigten Staaten betrieb der Bankensektor Lobbyarbeit für eine Deregulierung – mit Erfolg, für den schließlich die Steuerzahler die Rechnung zahlten.


Nur geteilter Wohlstand kann nachhaltig sein

Im vergangenen Vierteljahrhundert wurden die Spielregeln der Marktwirtschaft in vielen Ländern derart umgeschrieben, dass die Marktmacht stärker und die Ungleichheit größer wurde. Mehr als alles andere machen viele Unternehmen ihre Gewinne jetzt mit Spekulationsgeschäften, wobei sie einen großen Teil des gesellschaftlichen Reichtums abschöpfen, indem sie ihre Monopolstellung ausnutzen oder Vergünstigungen von Regierungen erhalten. Wenn Profite aus solchen Spekulationsgeschäften stammen, verringert sich der gesellschaftliche Reichtum.
Auf der Welt gibt es zahlreiche Unternehmen, die von aufgeklärten Führungskräften geführt werden, die die genannten Ideen längst verstanden haben. Sie haben erkannt, dass es in ihrem Eigeninteresse liegt, den Wohlstand zu teilen. Statt Lobbyarbeit für Richtlinien zu leisten, die Spekulationsgewinne begünstigen – sprich, Unternehmensgewinne zulasten anderer –, haben sie verstanden, dass nur geteilter Wohlstand nachhaltig sein kann und dass in jenen Ländern, die von stetig wachsender Ungleichheit geplagt sind, die Regeln im Sinne langfristiger Investitionen, schnelleren Wachstums und geteilten Wohlstands umgeschrieben werden müssen.

Joseph Stiglitz ist Wirtschaftsprofessor an der Columbia University. 2001 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis.


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