Gefiltert nach Kategorie Kolumne - Norman Bücher Filter zurücksetzen

Avatar of Norman Bücher

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft

 

(Marie von Ebner-Eschenbach, 1830–1916)

 

Wovon hängt der Erfolg einer großen Laufexpedition ab?

 

Gute Vorbereitung – ja. Willenskraft – ganz sicher. Ausdauer – auf jeden Fall. Sicherlich auch von Faktoren wie dem Wetter oder dem Gesundheitszustand. Doch im Kern entscheidet der Glaube über Erfolg und Misserfolg einer Expedition. Du wirst nur ganz selten etwas erreichen, wovon du nicht zu hundert Prozent überzeugt bist. Ich kann mich körperlich noch so gut vorbereiten, unzählige Stunden in mein Training investieren, wenn ich jedoch nicht an mich, meine Stärken und an das Projekt glaube, werde ich scheitern.

 

Der Glaube ist die stärkste unsichtbare Kraft, die wir haben. Das wertvollste nicht-physische Eigentum. Glauben ist die Fähigkeit, das Unsichtbare zu sehen und sich das Unvorstellbare vorzustellen. Und genau das befähigt dich das zu erreichen, was die breite Masse in der Gesellschaft für unmöglich hält. Glauben heißt, von einer Sache felsenfest überzeugt sein, etwas mit jeder Faser seines Körpers zu wollen. Unser Leben wird in einem erheblichen Maße durch unsere Glaubenssätze geprägt. Denn: Was wir glauben, das leben wir. Und wir entscheiden, was wir glauben wollen.

 

Diese Kraft wird völlig unterschätzt, denn wir sind viel zu sehr an der Macht der Wissenschaft orientiert und viel zu wenig an der Macht des eigenen Glaubens.

 

Wir assoziieren in unserer Gesellschaft mit Glauben religiösen Glauben, doch nur der Glaube an dich und deine Fähigkeiten ist für deinen Lebenserfolg entscheidend. Ein starker Glaube befähigt dich dazu, Realitäten zu schaffen, die andere für unmöglich halten. Das habe ich als Extremsportler unzählige Male selbst erlebt. 1.120 Kilometer in 15 Tagen durch das australische Outback zu laufen, ist für die meisten Menschen unvorstellbar. Für mich war es dies anfangs auch. Doch dann veränderte ich mein Denken und meinen Glauben in Bezug auf dieses Vorhaben. Aus der anfänglichen Unsicherheit wurde immer mehr Gewissheit. Die Bedenken wandelten sich in Klarheit um. Die Zweifel verschwanden. „Run to the Rock“ wurde ein erfolgreiches Projekt. Ich schaffte es, weil ich von vorneherein fest daran glaubte, dass ich es schaffen kann. Wir erreichen etwas, weil wir glauben, dass wir es erreichen können. Frage dich deshalb: Hast du im Griff, was du glaubst? Oder hat dein Glaube dich im Griff?

 

Das Eigenartige dabei ist: Kein Mensch kann ihn sehen, er ist nicht greifbar und auch nicht messbar, aber der Glaube ist in Wirklichkeit der alles entscheidende Faktor, wenn wir über persönlichen Erfolg sprechen. Er stellt die Ursache und gleichzeitig die Basis für alle anderen Schritte dar. Der Glaube ist ganz eng mit deiner Sache und dem Erreichen deines Ziels verbunden.

 

Glaubenssätze entstehen durch Gedanken. Ein Glaubenssatz ist nichts anderes als ein Gedanke, den du so oft gedacht hast, dass du ihn für wahr hältst, und der täglich deine Lebensrealität spiegelt. Deine Glaubenssätze steuern eine Vielzahl deiner Gedanken. Diese erzeugen dann Gefühle. Aus diesen Gefühlen kommst du ins Handeln. Dein Handeln produziert deine Ergebnisse, die dann dein Leben werden. Sobald du es geschafft hast, deine Glaubenssätze zu verändern, veränderst du auch dein Denken.

 

Warum gibt es Menschen, die ihre eigenen Grenzen immer weiter verschieben, die scheinbar leichtfüßig von einem Erfolg zum nächsten eilen? Und wiederum andere, die stets nur in der eigenen Komfortzone bleiben? Es sind die Glaubenssätze, die den Unterschied ausmachen. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob du glaubst „Ich muss bis zur Rente arbeiten“ oder ob du glaubst „Ich bin ab 40 finanziell unabhängig“. Es ist ein großer Unterschied, ob du glaubst „Das schaffe ich“ oder ob du glaubst „Das ist eine Nummer zu groß für mich“.

 

Wenn du dir in deiner Vorstellung den Erfolg vorstellst, aber glaubst, dass du scheitern wirst, dann wirst du scheitern. Denn der Glaube ist stärker als die Vorstellungskraft. Wenn du beispielsweise glaubst, Abteilungsleiter in deinem Unternehmen zu werden, gleichzeitig aber starke Zweifel daran hast, die auf der Gefühlsebene stärker sind als dein Glaube, dann werden deine Zweifel gewinnen und die Position des Abteilungsleiters bleibt unerreichbar.

 

Apropos Vorstellungskraft: Ich bin überzeugt davon, dass ein Mensch, der keine große Vorstellungskraft besitzt, sie nie trainiert und entwickelt hat, im Leben auch nichts Großes erreichen kann. Grundlage dafür ist der Glaube. Und dieser wiederum bildet die Grundlage für das zielgerichtete Einsetzen der Vorstellungskraft.

 

Wenn du deine großen Träume, Ziele im Leben verwirklichen möchtest, dann musst du deinen Glauben entwickeln und einsetzen. Wenn du felsenfest an deine Ziele glaubst, dann fühlst du die Gewissheit, dass deine Wünsche sich verwirklichen werden. In dem Moment akzeptierst du nämlich, dass Gedanken in Wirklichkeit Tatsachen sind, und dass im Leben immer das Realität wird, was im Einklang zu deinen Gefühlen steht. Du wirst, woran du glaubst.

 

Mein Impuls

 

In unserem Leben passiert immer das, woran wir glauben. Was du glaubst, wird früher oder später Realität. Egal ob du bewusst daran denkst oder nicht. Dein Geist funktioniert auf Basis deines Glaubens und deiner Glaubenssätze. Glaube ist eine Einstellung, eine innere Gewissheit. Wenn du felsenfest glaubst, dass du etwas schaffst, dann schaffst du es auch. Die Betonung liegt dabei auf felsenfest. Es dürfen keinerlei Zweifel bestehen. Wenn du glaubst, dass etwas eine Nummer zu groß für dich ist, dann wird es so lange eine Nummer zu groß für dich sein, solange du glaubst, dass es eine Nummer zu groß für dich ist. Handle jeden Tag so, als wäre die Sache, an die du felsenfest überzeugt bist, bereits Realität. Es gibt keinen wahren und falschen Glauben. Es gibt nur deinen Glauben.

 

Was glaubst du über dich? Über deine Zukunft? Über das Leben?

 

Mach dir deine Glaubenssätze bewusst. Schreibe alle Glaubenssätze, positive und negative, auf ein Blatt Papier.

 

Sei dabei bitte ehrlich zu dir selbst. Frage dich: Wer hat das zu mir gesagt? Wo kommt diese Überzeugung in Wirklichkeit her? Wie wirkt sich dieser Glaubenssatz in meinem Leben aus?


Norman Bücher ist ein deutscher Extremsportler. Er mit 22 Jahren fand er zum Laufsport; bereits ein Jahr später lief er die 100 Kilometer von Biel. Seitdem nahm er an mehr als 100 Marathon- und Ultramarathonläufen teil. Über seine extremen Abenteuer schrieb er mehrere Bücher und hält Vorträge. www.norman-buecher.de
Avatar of Norman Bücher

 

Ein Artikel in der FAZ vom vergangenen Wochenende hat mich sehr stark zum Nachdenken angeregt. Nachfolgend ein paar Gedanken dazu.

 

Am vergangenen Wochenende bezwang die 13-jährige Malavath Poorna Swaero den Mount Everest und ist damit die Jüngste, die den höchsten Berg der Welt bestiegen hat. Trotz des schweren Lawinenunglücks am Everest vor ein paar Wochen, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen, haben in der Zwischenzeit wieder einige Menschen den Gipfel erklommen, unter ihnen auch die 13- jährige Inderin.

 

Immer höher, immer schneller, immer weiter – das sind die Gesetze des Extremsports. Es geht scheinbar nur um Rekorde. Medienpräsenz kommt vor dem Erlebnis. Inszeniertes Spektakel steht über dem authentischen Abenteuer. Wann ist es genug? Wann ist die Grenze im Extremsport erreicht?

 

Grenzen sind immer subjektiv. Jeder Mensch definiert seine persönliche Grenze auf eine andere Art und Weise. Deshalb gibt es kein Pauschalrezept. Und es liegt in der Natur des Menschen, dass er vorwärts strebt, dass er wachsen will, dass er seine Grenzen verschieben will nach dem Motto: „Nichts ist unmöglich“. Seine eigenen Grenzen zu erfahren, kann eine unglaublich bereichernde und aufregende Erfahrung sein. Ohne Frage. Nicht zuletzt kann extremer Sport genau aus diesen Gründen aber auch abhängig machen. Abhängig vom Extremen. Abhängig vom Kick, den der konstante Übertritt der eigenen Grenzen erzeugt. Und auch abhängig von der öffentlichen Anerkennung, den ein medienwirksamer „Grenzübertritt“ mit sich bringt. Denn wenn eine Aktion besonders spektakulär war, steht der Sportler im Mittelpunkt, geht es in eine Fernsehsendung, kommen Radiosender und Buchverlage und das Interesse von Sponsoren wird geweckt. Ein verlockendes Szenario.

 

Es bleiben Fragen:

 

Wann ist es genug?

 

Wann ist die Grenze im Extremsport erreicht?

 

Muss es immer höher, schneller, weiter sein?

 

Meine persönliche Haltung dazu:

 

Bei einem Abenteuer oder eine Expedition sollte zunächst das persönliche Interesse an einem Projekt und die Qualität einer Erfahrung im Mittelpunkt stehen; nicht das alleinige Streben nach Rekorden.

 

Der Vergleich und das Wettrennen mit anderen sind schlechte Begleiter. Die einseitige Orientierung an äußeren Faktoren wie Medien und Sponsoren dürfen nicht an erster Stelle stehen. Um was geht es dann? Um das eigene und authentische Abenteuer.

 


Norman Bücher ist ein deutscher Extremsportler. Er mit 22 Jahren fand er zum Laufsport; bereits ein Jahr später lief er die 100 Kilometer von Biel. Seitdem nahm er an mehr als 100 Marathon- und Ultramarathonläufen teil. Über seine extremen Abenteuer schrieb er mehrere Bücher und hält Vorträge. www.norman-buecher.de
Avatar of Norman Bücher

In vorangegangenen Blogartikeln habe ich bereits über die Definition von Erfolg geschrieben. Dies ist eines meiner Lieblingsthemen, denn die richtige Definition entscheidet oft, ob wir glücklich oder unglücklich sind.

 

Ein wunderbares Beispiel möchte ich heute hierfür aufgreifen und Euch davon erzählen:

 

Vor einiger Zeit traf ich auf einem Klassentreffen meiner alten Schule einen meiner ehemaligen Sitznachbarn. Wir tauschten uns lang und intensiv aus und berichteten uns von den unterschiedlichen Entwicklungen in unserem Leben. Direkt nach der Schule machte er eine Ausbildung beim Finanzamt und arbeitet dort auch heute noch. Er wohnt im Haus seiner Eltern, spielt noch immer beim Fußballverein seiner Jugend. Manch einer mag hier die Nase rümpfen – glaubt man doch schnell, dass es nach einem langweiligen leben klingt. Doch er ist glücklich mit dieser kleinen, überschaubaren Welt, die er sich aufgebaut hat.

 

Unser Gespräch beschäftigte mich an diesem Abend noch lange. Denn hier wurden wieder Fragen deutlich wie:

 

Warum Karriere machen, wenn man sich im Job absolut wohl fühlt?

Warum ein Weltenbummler sein, wenn es zu Hause am schönsten ist?

Warum körperlich an Grenzen gehen, wenn ein einfaches Fußballspiel so Freude macht?

Mit dem eigenen Leben zufrieden zu sein ist unglaublich wichtig – absolut unabhängig von irgendwelchen messbaren Faktoren wie das Leben anderer Menschen, der Kontostand oder der Stand in der Gesellschaft.

 

In der heutigen Zeit scheint das Prinzip „Höher, schneller, weiter“ immer wichtiger, immer dominierender zu werden. Gleichzeitig steigt die Burnout-Rate und das Klagen der Menschen, dass früher alles besser war, dass die Zeit inzwischen viel zu hektisch sei.

 

Es liegt an uns ganz alleine, zu erkennen, was uns wichtig ist, worauf es uns ankommt, was uns glücklich macht. Wir sollten unser Leben, unsere Erfolge stets nach eigenen Maßstäben bewerten, anstatt immer der oder die Beste sein zu wollen.

 

In sämtlichen Lebensbereichen herrscht inzwischen standardisiertes Schubladen-Denken, welches uns gewollt in Ecken drängt, in denen wir verharren, aber unglücklich sind. Um diese Ecken zu verlassen oder im Idealfall gar nicht erst zu erreichen, ist der richtige Fokus auf das eigene Leben unverzichtbar. Nicht zu oft nach links und rechts schauen, ob jemand aufgeholt hat, vielleicht besser oder schneller ist, sondern einfach nur das im Blick behalten, was Ihr erreichen möchtet, was Euch glücklich macht, wofür Ihr dankbar seid.

 

Mein Impuls

 

Schreibt Eure Gedanken hierzu auf, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn Ihr doch einmal den Fokus verliert, können diese Notizen sehr hilfreich sein, um wieder in die Spur zu kommen.

 

Mit dem was man hat glücklich zu sein, das eigene Leben wie es ist genießen zu können – DAS ist für mich die ideale Form von Erfolg.

 

Alles ist relativ, das Glück aber ist vollkommen.


Norman Bücher ist ein deutscher Extremsportler. Er mit 22 Jahren fand er zum Laufsport; bereits ein Jahr später lief er die 100 Kilometer von Biel. Seitdem nahm er an mehr als 100 Marathon- und Ultramarathonläufen teil. Über seine extremen Abenteuer schrieb er mehrere Bücher und hält Vorträge. www.norman-buecher.de
Avatar of Norman Bücher

Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel"

               (Konfuzius,  551-470 v. Chr.)

Verdammt, ist das ärgerlich! Eben ist mir beim Bergablaufen ein winzig kleiner Stein in den Schuh gerutscht. Bei meinem rechten Schuh hat sich vor einer Stunde meine Gamasche gelöst, die dafür sorgt, dass der Schuh frei von Steinen bleibt. Halb so wild, denke ich mir. Ich habe schon fast 90 Kilometer zurückgelegt. Noch über 70 trennen mich vom Ziel. Ich sollte kurz anhalten und den Schuh ausziehen. Doch dann verliere ich Zeit, kommt es mir gleich in den Sinn. Ist ja nur ein kleiner Stein, relativiere ich den Zustand. Beim nächsten Verpflegungspunkt reicht es ja noch aus. 

So laufe ich weiter, ignoriere den Stein und erfreue mich an der herrlichen Landschaft. Kurze Zeit später spüre ich eine leichte Druckstelle an der Sohle des rechten Fußes. Dieses Gefühl verstärkt sich mit jedem gelaufenen Meter. Mir wird augenblicklich klar, was dieser Schmerz bedeutet: eine Blase hat sich gebildet. Unangenehm! Und vor allem überflüssig. Als ich am nächsten Checkpoint in Arnuva meine Socken ausziehe, erschrecke ich ein wenig darüber, was sich da unter meinem Fuß gebildet hat: eine riesengroße Blase!

Kleine Dinge können irgendwann große Auswirkungen haben. „Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel“, sagte einst Konfuzius. Wir scheitern häufig nicht an den großen Aufgaben, sondern an Kleinigkeiten. Scheinbar Nebensächliches bringt uns von unserem Ziel ab.

Das Problem dabei ist, dass wir solche Kleinigkeiten häufig nicht oder zu spät wahrnehmen. Denn vieles im Leben entwickelt sich langsam und schleichend. Das ist gefährlich. Wenn du morgen aufwachen würdest und hättest 120.000 Euro Schulden, wärst du dann beunruhigt? Natürlich. Aber wenn sich die Dinge langsam entwickeln: unnötige 4,50 Euro heute, 12,50 Euro morgen, dann neigen wir dazu, das nicht ernst zu nehmen. Doch alles in unserem Leben addiert sich auf. Wenn du morgen auf der Waage plötzlich 25 Kilogramm Übergewicht hättest, wärst du dann beunruhigt? Vermutlich! Doch wenn du diesen Monat ein Kilogramm zunimmst und im nächsten Monat 1,5 Kilogramm, dann neigen wir dazu, das nicht so dramatisch zu sehen. Unterschätze nie die Bedeutung und Wirksamkeit von Kleinigkeiten, denn diese summieren sich. Jede Aktivität bringt uns unserem Ziel näher oder entfernt uns von ihm. Es gibt kein neutral. Es scheint keine Rolle zu spielen, ob wir heute eine Tafel Schokolade oder einen Apfel essen. Ob wir ein gutes Buch lesen oder im Fernsehen Seifenopern anschauen. Ob wir zehn Euro sparen oder sie ausgeben. Aber nach fünf oder zehn Jahren ist ein großer Unterschied sichtbar. Unser Leben ist die Summe aller getroffenen Entscheidungen.

Mein Impuls

Kleine Dinge können irgendwann große Auswirkungen haben. Deshalb: Achte auf Kleinigkeiten und vermeintlich Unbedeutendes.

Was sind deine Stolpersteine im Leben? Mach dir diese bewusst und schreibe sie auf.


Norman Bücher ist ein deutscher Extremsportler. Er mit 22 Jahren fand er zum Laufsport; bereits ein Jahr später lief er die 100 Kilometer von Biel. Seitdem nahm er an mehr als 100 Marathon- und Ultramarathonläufen teil. Über seine extremen Abenteuer schrieb er mehrere Bücher und hält Vorträge. www.norman-buecher.de
Avatar of Norman Bücher

 

Freudestrahlend schaue ich hoch an den wolkenfreien Himmel, an dem die Sonne wie eine Königin thront. Dabei macht sich eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper breit. Es prickelt in mir vom Kopf bis zur Fußspitze. Ich bin völlig losgelöst von allem. Bin ganz bei mir angekommen. Bin einfach nur da. Meine Beine, meine Arme, meine Füße, mein Kopf – alles fühlt sich ganz leicht an. Eine grenzenlose Weite umgibt mich. Ich genieße die Ruhe. Eine Stille, wie ich sie lange nicht mehr erleben durfte. Wohin ich auch schaue. Nichts. Nichts – außer Wüste. Ich befinde mich mitten in der größten Sandwüste der Erde, sitze auf einer Sanddüne, blicke über eine majestätische Landschaft und bin völlig im Hier und Jetzt. Genauer gesagt bin ich in der Rub al Khali im Sultanat Oman. Die Wüste, auch das „Leere Viertel“ genannt, bietet pure Einsamkeit, wunderschöne Dünen und einen prächtig funkelnden Sternenhimmel. Die Rub al Khali gehört bis heute zu den unzugänglichsten Gebieten unserer Erde. Sie stellt gleichzeitig einen inspirierenden Raum dar, der anregt, über seine Träume, Lebensziele, Visionen und den persönlichen Lebenssinn nachzudenken.

 

Während ich diese Zeilen in meinem Büro in Waldbronn schreibe, huscht mir ein Lächeln über den Mund. Fast ein ganzer Monat liegt nun schon zwischen heute und dem Abflug in den Oman. Genügend Abstand, um diese Reise ein wenig Revue passieren zu lassen.

 

Am 3. November 2017 startete diese für mich ganz besondere Reise. Eine Premiere. Mein allererstes Expeditionsseminar (so habe ich diese Reise getauft) stand an. Seit vielen Jahren habe ich bereits über diese Art der Reise nachgedacht. Eine Mischung aus Abenteuerreise mit Seminarinhalten. Eine Kombination aus Outdoor und Workshops. Jetzt habe ich dieses Ziel in die Tat umgesetzt.

 

„Dieses Expeditionsseminar ist mehr als nur ein Abenteuer. Es ist eine Reise, ein Weg zu dir selbst.“ Diese Worte stammten aus der Broschüre, mit der ich auf meiner Website für diese Reise warb. In den vergangenen zehn Jahren habe ich zahlreiche Wüsten bereisen und durchqueren dürfen. Komplett alleine und im Team. Beispielsweise bin ich durch die Wüste Gobi in der Mongolei, die Kalahari in Südafrika, die Atacama Wüste in Chile, die Great Victoria Desert in Australien oder durch die Kavir Wüste im Iran gelaufen. Die eindrucksvolle Stille, die vollkommene Abgeschiedenheit und die unendliche Weite faszinieren mich jedes Mal aufs Neue. Daher war für mich klar: meine erste Seminarreise geht in die Wüste.

 

Selbst nach vier Wochen zeitlichem Abstand ist es schwer, das Erlebte in Worte zu kleiden. Ich habe vielfältige, horizonterweiternde Eindrücke durch diese Expedition gewonnen. In den ersten beiden Tagen der Reise waren wir alle – die Crew, die fünf Teilnehmer und ich als Workshopleiter – noch sehr in unserem Alltag gefangen. Bevor es in die Wüste ging, verbrachten wir noch eine letzte Nacht in einem luxuriösen Hotel in Salalah, der zweitgrößten Stadt Omans. Emails checken, Telefonate führen, Geschäfte regeln stand bei vielen noch auf dem Programm. Doch nur zwei Tage später – in der Wüste angekommen – verloren diese Dinge für uns alle an Wichtigkeit. Wir genossen es, uns voll und ganz auf die Wüste einzulassen. Keine Störungen. Keine Ablenkungen. Kein Lärm. Keine anderen Menschen. Keine Autos. Keine Geräusche. Nur wir und die unglaubliche Weite der Wüste. Besonders die Gespräche und Workshops mit den Teilnehmern empfand ich als absolute Bereicherung. Wie manche Teilnehmer ihr Herzblut, ihre Leidenschaften, ihre Lebensphilosophie in den Workshops am Nachmittag offenbarten und diese mit den anderen teilten. Tiefgründige und gewinnbringende Gespräche rundeten die Tage in der Wüste ab. Was ist der Sinn des Lebens? Auf welche Weise lässt sich eine Vision in ein Unternehmen tragen? Was ist wirklich wichtig im Leben?

 

Ein Highlight für uns alle waren die grandiosen Natureindrücke. Allein die Dimensionen der Sanddünen: teilweise 100 bis 200 Meter hoch. G-I-G-A-N-T-I-S-C-H! Das raubt dir den Atem in Anbetracht dieser Schönheit der Natur. Die Formen und Farben der Dünen schienen wie gemalt. Dazu die verschiedenen Farbfacetten des Sands: von gold über rotbraun bis zu blaugrau. Ein faszinierender Anblick. Und dann diese unendliche Weite. Du kommst dir als Mensch in dieser endlos erscheinenden Wüstenlandschaft wie ein absoluter Winzling vor. Wie klein und unbedeutend du bist, kommt es mir in diesen Tagen in der Wüste immer wieder in den Sinn. Ein Pups im Universum. Die Tage in der Rub al Khali erdeten die Teilnehmer und mich ungemein und rückten unseren Blick wieder in die richtige Perspektive.

 

Ein weiterer Höhepunkt war es, jeden Nachmittag unser Zelt inmitten dieser sagenhaften Kulisse aufschlagen zu dürfen. Einfach nur da zu sein, in der Wüste zu sitzen, die Umgebung bewusst wahrzunehmen und jedes Detail in sich aufzusaugen. Die wechselnden Farbnuancen am Himmel oder den beeindruckenden Sternenhimmel. Es stellte für uns ein großes Stück Freiheit dar, hier in einer der entlegendsten Landschaften der Erde sein zu dürfen. Kein Geld der Welt können solche Momente ersetzen. Das köstliche Abendessen, liebevoll von der omanischen Crew zubereitet, schmeckte wie ein Fünf-Gänge-Menü in einem Nobelrestaurant. Genau diese Einfachheit empfanden wir als absolutes Privileg. Mit einem zufriedenen Lächeln legte ich mich jeden Abend in meinen Schlafsack in dem Bewusstsein, im schönsten Bett der Welt nächtigen zu dürfen: unter freiem Himmel, von unzähligen Sternen umringt.

 

Zehn Tage später. Wir sind mittlerweile wieder in Deutschland. Unsere sandigen Wüsten-Wanderstiefel haben wir wieder gegen normale Straßenschuhe eingetauscht. Der massar und die dishdasha – die traditionelle Bekleidung der Omanis – wurde durch warme Pullover und dicke Daunenjacken ersetzt. Auf die Stille und Weite der Wüste sind wieder die Geschäftigkeit und der Lärm der westlichen Welt gerückt. Was bleibt ist zum einen die Erinnerung. Und zum anderen die Erkenntnis, ein Stück weiter seines Weges der persönlichen Lebensreise gegangen zu sein.

 


Norman Bücher ist ein deutscher Extremsportler. Er mit 22 Jahren fand er zum Laufsport; bereits ein Jahr später lief er die 100 Kilometer von Biel. Seitdem nahm er an mehr als 100 Marathon- und Ultramarathonläufen teil. Über seine extremen Abenteuer schrieb er mehrere Bücher und hält Vorträge. www.norman-buecher.de
Kontaktieren Sie uns
captcha

Tel.: 0721 - 560 4480 - 0
Fax: 0721 - 560 4480 - 9

E-Mail: info@fairantwortung.org
Internet: www.fairantwortung.org